»Dem hat’s etwas gegeben«, sagte der Vater unentwegt. »Er wird etwa in eine Spalte hineingefallen sein am Berg oben; das gibt es manchmal mit so schmalen Buben, die überall herumklettern. Ihr hättet es ein wenig früher sagen sollen«, fuhr er langsam fort, »man wird ihn etwa suchen müssen, und des Nachts sieht man nichts.«
Jetzt fuhr die Base los und machte einen furchtbaren Lärm. Sie habe wohl gedacht, man werde ihr noch Vorwürfe machen wollen; so gehe es immer, wenn man schon jahrelang so viel ertragen und dazu geschwiegen habe.
»Es glaubt es kein Mensch« – rief sie aus und sagte damit eine große Wahrheit –, »was für ein heimtückischer, hinterlistiger, verstockter Bube der ist, und wie er mir das Leben schwer gemacht hat seit vier Jahren; ein Vagabund wird er, ein Landstreicher und schädlicher Lump!«
Die Großmutter hatte schon lange zu essen aufgehört. Sie war vom Tisch aufgestanden und vor die Base hingetreten, die immer noch lärmte.
»Hört auf, Nachbarin, hört auf«, hatte die Großmutter zweimal gesagt, bevor die andere nachgab. »Ich kenne den Rico auch; seit man das Büblein seiner Großmutter brachte, habe ich es immer gekannt. Wenn ich aber an Eurer Stelle wäre, so würde ich kein Wörtlein mehr sagen, aber ein wenig nachsinnen, ob das Büblein, dem ein Unglück begegnet sein kann und das vielleicht schon da droben steht vor dem lieben Gott, ob es da niemanden anzuklagen hat, der in seiner Verlassenheit noch schweres Unrecht an ihm getan hat mit bösen Worten.«
Der Base war es schon ein paarmal aufgestiegen, wie Rico sie am Abend angeschaut und gesagt hatte: »Ich kann Euch schon aus dem Wege gehen.« Sie hatte auch so furchtbar gelärmt, um diese Gedanken zu übertönen. Sie durfte die Großmutter nicht ansehen und sagte, sie müsse gehen, vielleicht sei der Rico doch nun heimgekommen, was sie jetzt gern genug gesehen hätte.
Von dem Tage an sagte die Base nie mehr ein Wort gegen den Rico vor der Großmutter, aber auch sonst nicht mehr viele. Sie glaubte, wie alle anderen Leute auch, er sei tot, und war froh, daß niemand wußte, was er am letzten Abend zu ihr gesagt hatte.
Am Morgen nach der Nachricht ging Stinelis Vater in die Tenne hinaus und suchte eine Stange; er hatte gesagt, er wolle ein paar Nachbarn rufen, man müsse doch den Buben suchen, etwa gegen den Gletscher hinein und oben bei den Rüfenen.
Stineli war ihm nachgeschlichen, und der Vater sagte: »Es ist recht, komm, hilf mir suchen, du kannst besser in die Winkel hinein als ich.«
Erst als eine hohe Bohnenstange gefunden war, sagte es: »Aber, Vater, wenn der Rico vielleicht der Straße nach gegangen wäre, dann könnte er doch in nichts hineingefallen sein?«