»Freilich kann er«, entgegnete der Vater. »Solch’ unvernünftige Buben kommen vom Wege ab und in die Rüfenen hinein, sie wissen gar nicht wie; und der war sonst ein wenig ein Verstaunter.«

Daß der Rico dies war, wußte Stineli besser als irgend jemand, und von dem Augenblick an kam eine große Angst in sein Herz und wuchs mit jedem Tage, so daß es vor Qual und Unruhe nicht mehr essen und nicht mehr schlafen konnte und alle Arbeit tat, als wäre es nicht dabei.

Der Rico wurde nicht gefunden; kein Mensch hatte etwas von ihm gesehen. Man suchte ihn nicht mehr, und bald fanden die Leute einen Trost und sagten: »Es ist dem Waisenbüblein wohl geschehen, es war doch verlassen und hatte niemand mehr.«


Zehntes Kapitel.

Ein wenig Licht.


Aber Stineli wurde stiller und magerer von Tag zu Tag. Die kleinen Kinder schrieen: »Das Stineli will nichts erzählen und lacht nicht mehr.« Die Mutter sagte zum Vater: »Siehst du’s denn nicht? Es ist ja nicht mehr das gleiche.« Und der Vater sagte: »Es kommt vom Wachsen, man muß ihm ein wenig Geißmilch geben am Morgen im Stall.«

Aber als drei Wochen so vergangen waren, da nahm die Großmutter eines Abends das Stineli in ihre Kammer hinauf und sagte: »Sieh, Stineli, ich kann es wohl begreifen, daß du den Rico nicht vergessen kannst; aber du mußt doch denken, daß der liebe Gott ihn weggenommen hat, und wenn es so sein mußte, so war es gut für den Rico, das werden wir dann einmal sehen.«

Da fing das Stineli so zu weinen an, wie es die Großmutter nie an ihm erlebt hatte, und es schluchzte überlaut: »Der liebe Gott hat es ja nicht getan, ich habe es getan, Großmutter; darum muß ich fast sterben vor Angst, denn ich habe den Rico aufgestiftet, an den See hinabzugehen, und nun ist er in die Rüfenen hineingefallen und ist tot, und es hat ihm noch so weh getan, und ich bin an allem schuld.« Und Stineli weinte und schluchzte zum Erbarmen.