"Nein, nein", rief Paula lebhaft aus, "das Kreuz darf nicht verlorengehen, um keinen Preis, es ist noch von der Großmutter und ist mein größter Schatz!"

Paula ergriff selbst noch das Band und machte zwei, drei Knoten hinein, damit es festhalte. Plötzlich spitzte sie die Ohren. "Hör, hör, Tante, jetzt kommt aber wirklich etwas Lustiges."

Hoch oben erscholl ein fröhlicher Gesang. Zwischendurch kam ein langer, schallender Jodler, dann wurde wieder gesungen. Die Damen schauten aufwärts, konnten aber nichts Lebendiges entdecken. Der Fußweg ging in großen Serpentinen, oft zwischen hohem Gebüsch und wieder zwischen vorstehenden Bergabhängen durch, so daß man von unten immer nur kurze Stückchen davon erblicken konnte. Aber jetzt wurde es plötzlich lebendig auf dem Pfad, oben und unten, auf allen Stellen, wo der schmale Weg gesehen werden konnte, und immer lauter und näher tönte der Gesang.

"Sieh, sieh, Tante, dort! Hier! Sieh da! Sieh da!" rief Paula mit großem Vergnügen. Und ehe die Tante sich's versah, kamen drei, vier Geißen in Sprüngen daher und immer mehr, immer mehr, und jede hatte ein Glöcklein am Hals. Die läuteten von allen Seiten her, und mitten in einem Rudel kam der Geißbub herabgesprungen und sang eben noch sein Lied zu Ende:

"Und im Winter bleib ich fröhlich,
Weil's Weinen nichts nützt,
Und weil ihm sowieso der Frühling
Auf den Fersen schon sitzt."

Dann ließ er einen ungeheuren Jodel erschallen. Und auf einmal stand er mit seinem Rudel dicht vor den Damen, denn mit seinen nackten Füßen sprang er genauso flink und leise wie seine Tierchen.

"Guten Abend wünsche ich", sagte er, indem er die beiden lustig anschaute, und wollte weiterziehen. Aber der Geißbub mit den fröhlichen Augen gefiel den Damen. "Wart ein wenig", sagte Paula, "bist du der Geißbub von Fideris? Hast du Geißen aus dem Dorf unten?"

"Ja natürlich", war die Antwort.

"Gehst du alle Tage mit ihnen da hinauf?"

"Ja freilich."