"So, so, und wie heißt du denn?"
"Moni heiße ich."
"Willst du mir auch das Lied einmal singen, das du eben gesungen hast?
Wir haben erst einen Vers gehört."
"Das ist zu lang", erklärte Moni, "es wird zu spät für die Geißen, sie müssen heim." Er rückte sein altes Hütchen zurecht, schwang seine Rute in der Luft und rief den Geißen zu, die schon überall zu nagen angefangen hatten: "Heim! Heim!"
"So singst du mir's doch ein andermal, Moni, nicht wahr?" rief ihm
Paula nach.
"Ja, das will ich und gute Nacht!" rief er zurück, setzte sich nun mit den Geißen in Trab, und in kurzer Zeit stand die ganze Herde unten, wenige Schritte vom Badehaus bei dem Hintergebäude still. Denn hier hatte Moni die Geißen, die zum Haus gehörten, die schöne weiße und die schwarze mit dem zierlichen Zicklein abzugeben. Moni behandelte letzteres mit größter Sorgfalt, denn es war ein zartes Tierchen, und er liebte es von allen am meisten. Es war auch so anhänglich, daß es ihm den ganzen Tag immer nachlief. Er zog es auch jetzt ganz zärtlich zu sich und stellte es in seinen Stall hinein. Dann sagte er: "So, Mäggerli, nun schlaf gut, du bist müde. Es ist sehr weit bis dort hinauf, und du bist noch so klein. Leg dich jetzt nur gleich hin, siehst du, so in das gute Stroh hinein."
Nachdem er so das Mäggerli zur Ruhe gebettet hatte, zog er eilig weiter mit seiner Schar, erst vor dem Badehaus den Hügel hinauf und dann die Straße hinunter dem Dorf zu. Hier nahm er sein Hörnchen vor den Mund und blies so gewaltig hinein, daß es dröhnte bis weit ins Tal hinab. Von allen verstreuten Höfen her kamen jetzt die Kinder gelaufen, jedes stürzte auf seine Geiß, die es aus der Ferne schon kannte. Und von den nahen Häusern her kam hier eine Frau und dort eine, faßte ihr Geißlein am Strick oder am Horn, und in kurzer Zeit war die ganze Herde auseinandergestoben, und jedes Tierlein kam an seinen Ort. Zuletzt stand der Moni noch allein mit der Braunen, seiner eigenen Geiß, und mit ihr ging er zu dem Häuschen am Bergabhang, wo schon die Großmutter ihn in der Tür erwartete.
"Ist alles gut gegangen, Moni?" fragte sie freundlich, führte dann die Braune in den Stall und fing gleich an, sie zu melken. Die Großmutter war noch eine rüstige Frau und besorgte alles selbst im Haus und im Stall und hielt überall Ordnung. Moni stand in der Stalltür und schaute der Großmutter zu. Als das Melken beendet war, trat sie ins Häuschen und sagte: "Komm, Moni, du wirst Hunger haben."
Sie hatte auch schon alles hergerichtet. Moni konnte sich sofort an den Tisch setzen. Sie nahm neben ihm Platz. Obwohl es nur eine Schüssel voll Maisbrei mit der Milch der Braunen gab, so ließ sich's Moni doch herrlich schmecken. Dabei erzählte er der Großmutter, was er den Tag über erlebt hatte, und sobald er sein Mahl beendet hatte, zog er sich auf sein Lager zurück, denn er mußte sich ja früh am Morgen wieder mit der Herde auf den Weg machen.
Auf diese Weise hatte Moni schon zwei Sommer verbracht, so lange schon war er Geißbub. Er war jetzt so an dieses Leben gewöhnt und mit seinen Tierchen verbunden, daß er sich's gar nicht anders denken konnte. Mit seiner Großmutter lebte Moni zusammen, solange er sich besinnen konnte. Seine Mutter war gestorben, als er noch ganz klein war. Sein Vater zog bald danach mit anderen zum Kriegsdienst nach Neapel, um etwas zu verdienen, denn er meinte, das gehe dort schneller.