“Hier in der Schwemmebachsennhütte?” fragte This, dem die Aussicht auf diese Glückseligkeit ganz unfaßbar war.
“Alles hier, in der Schwemmebachsennhütte”, bestätigte der Franz Anton.
Auf das Gesicht des This kam jetzt der Ausdruck eines so strahlenden Glücks, daß der Senn ihn nur ansehen mußte. Der Bub war wie verwandelt. Das bemerkte auch die Mutter, als sie eben den großen Eierkuchen auf den Tisch stellte, den sie gebacken hatte. Sie streichelte den Buben und sagte: “Ja, Thisli, heute wollen wir miteinander fröhlich sein und morgen auch noch. Und alle Tage wollen wir dem lieben Gott dafür danken, daß er dich gerade zur rechten Zeit in die Nähe vom Franz Anton geschickt hat, wenn schon kein Mensch begreift, warum du da heraufgekommen bist.”
Jetzt begann das fröhliche Essen, und noch nie in seinem ganzen Leben hatte der This so viele gute Sachen auf einem Tisch zusammen gesehen. Denn zu dem Eierkuchen hatte die Mutter das frische Weißbrot hingelegt und daneben Butter und weißen Käse. Und mitten auf dem Tisch stand eine große Kanne voll dickrahmiger Milch. Von allem legte jetzt die Mutter große, dicke Stücke vor den This hin, und wenn er fertig war, gab es gleich noch einmal so viel.
Als gegen Abend die Mutter sich zum Heimgehen bereitmachte, sagte sie: “Franz Anton, ich habe mich anders besonnen, der This muß bei dir oben bleiben, bis du wieder ganz gesund bist. Er kann dir helfen, wo es nötig ist. Der Frau des Hälmli-Sepp will ich schon alles berichten.”
Das war dem Sennen recht, und für den This war es das höchste Glück, das er erreichen konnte. Nun war er wirklich daheim beim Franz Anton. Nicht mehr verborgen unter den Tannenbäumchen hörte er heute den Nachtsegen, er stand unter dem Sternenhimmel neben dem Senn, als dieser seine Hände faltete und sagte: “Komm, This, nun beten wir den Abendsegen.” Andächtig faltete auch er seine Hände, und als am Schluß der Senn sagte: “Gute Nacht geb euch Gott!”, da war das Glück im Herzen des This so groß, daß er gern überlaut allen Menschen auf der ganzen Welt sagen wollte: ‘Gute Nacht geb euch Gott!’
Noch an demselben Abend ging die Sennenmutter hinüber zu der Frau des Hälmli-Sepp, die mit ihren drei Buben und Lisi vor dem Haus stand und gerne verstehen wollte, was ihre Kinder alle auf einmal erzählten. Die Sennin hörte, daß von Franz Anton die Rede war, dessen Unfall der Melker berichtet hatte. Als sie nun der Frau des Hälmli-Sepp erklärte, daß sie mit ihrem Sohn übereingekommen sei, sie wollten den This bei sich annehmen, da machte die Frau einen großen Lärm. Sie sagte, sie sollten doch lieber einen von ihren drei Buben nehmen, die seien für den Senn eine größere Hilfe als der dumme This. Und die Buben schrien alle aus vollen Hälsen: “Mich! Mich! Mich!” Denn sie wußten wohl, wie gut der Franz Anton war, und was es in der Sennhütte für gute Dinge gab. Da half aber alles Schreien und Bitten nichts.
Die Sennin sagte ganz ruhig, sie bleibe beim This, und sie kenne ihn schon, er habe mehr Herz und Verstand als mancher, der ihn den dummen This nenne. Sie wolle auch die Buben warnen, sie sollten jetzt das Hänseln und Verspotten unterlassen, sonst hätten sie es mit ihrem Sohn zu tun. Der rede dann mit seinen kräftigen Armen eine deutlichere Sprache mit den Buben, als sie es jetzt könnte. Dann verließ die Sennin die Leute, die ihr alle ganz stumm und verblüfft nachschauten, und jedes der Kinder dachte bei sich: Wenn ich doch nur der This wäre, der wird’s gut haben, wie ein König wird er da oben in seiner Sennhütte leben. Wo aber von dem Tag an der This sich sehen ließ, liefen ihm die Buben alle nach, und jeder wollte sein bester Freund sein. Denn sie mußten alle an den letzten Käsfischtag denken, als der This so übel behandelt worden war. Von nun an würde er ja gewiß alle Käsfische allein bekommen, da wäre doch jeder gut daran, der sein Freund wäre. Und später waren sie auch alle gut daran, denn dem This machte es die größte Freude, die reiche Ernte der Käsfische unter allen gerecht aufzuteilen. Und er konnte sich nicht genug darüber wundern, wie freundlich jetzt alle Kinder zu ihm waren. Er wurde nie mehr ausgelacht. Als er vor niemandem mehr Angst hatte, da zeigte sich zur Überraschung aller, daß er auf einmal ein ganz flinkes, geschicktes Bürschchen war, von dem jeder sagen mußte: “Entweder ist das nicht derselbe Bub, oder man hat niemals ein Recht gehabt, ihn den dummen This zu nennen.” Sogar der Herr Pfarrer sagte nach einiger Zeit, sein liebster Schüler im Unterricht sei jetzt der This. Denn bei allem, was er antwortete, habe er einen klaren Gedanken, und die anderen Buben könnten ihn sich alle zum Vorbild nehmen.