“Aber was ist’s denn, was war es denn, Franz Anton? Sag mir’s doch”, drängte jetzt die Mutter und setzte sich auf das Heu neben den Sohn.
“Ich will dir nun alles berichten, Mutter, eins nach dem anderen”, sagte er, indem er sich an einen Heuballen lehnte. “Sieh einmal zuerst dort unten das schmale, magere Büblein an, das kein gutes Stück Gewand auf dem Leib hat, dem keiner ein gutes Wort sagt und den jeder nur den dummen This nennt.”
Die Mutter schaute zu dem This hin, der wie ein Sperber nach dem Senn hinaufspähte, ob er etwa wieder umfallen wolle.
“Und jetzt?” fragte die Mutter gespannt.
“Der hat mir das Leben gerettet, Mutter! Wenn dieses Büblein nicht gewesen wäre, so läge ich jetzt noch draußen auf dem Boden in einem tödlichen Fieber, oder vielleicht wäre es auch schon vorbei mit mir.” Und jetzt erzählte Franz Anton alles, was sich seit gestern nachmittag zugetragen hatte. Wie der This ihn die ganze Nacht nicht verlassen und ihn erquickt und gepflegt hatte, so wie der gescheiteste Mensch auf der Welt es nicht besser hätte tun können.
Die Mutter mußte sich mehrmals die Tränen abwischen. Sie stellte sich vor, wenn ihr Franz Anton allein und verlassen in seinem Durst da draußen gelegen hätte und vielleicht vom Fieber ganz verzehrt worden wäre, und kein Mensch hätte etwas von ihm gewußt. Und jetzt stieg ein Dank und eine Freude in ihrem Herzen auf, daß sie laut ausrufen mußte: “Gott sei Lob und Dank! Gott sei Lob und Dank!” Aber auch eine solche Liebe zu dem armen This überkam sie, daß sie ganz eifrig sagte: “Franz Anton, der This geht mir nicht mehr zur Frau des Hälmli-Sepp zurück! Sicher hat der arme Bub Hunger gelitten, und in Schmutz und Fetzen hat sie ihn laufen lassen. Heute noch nehme ich ihn mit mir, und morgen mache ich ihm ein Gewand, daß man ihn ansehen darf. Er muß es nicht schlecht haben bei uns, wir wollen nicht vergessen, wie er dir geholfen hat.”
“Das ist nun gerade, was ich wünschte, Mutter, aber ich mußte doch zuerst wissen, was du dazu sagst. Und jetzt hast du dasselbe Vorhaben und schon alles ausgedacht, wie es nicht besser sein könnte. Es geht nichts über eine Mutter!” Und der Franz Anton schaute sie so voller Glück und Liebe an, daß es ihr im Innersten wohltat und sie bei sich dachte: Es geht auch nichts über einen wohlgeratenen Sohn. Dann sagte sie: “Jetzt mußt du etwas essen, Franz Anton, daß du wieder zu Kräften kommst. Ich habe frische Eier und ein Weißbrot mitgenommen, und jetzt will ich Feuer machen, laß dir Zeit zum Herunterkommen.” Das mußte der Franz Anton auch tun, denn er schwankte noch ein wenig. Aber es ging. Er kam herunter und winkte jetzt den This zum Tisch heran, an den er sich selbst niedergesetzt hatte.
“This”, sagte er jetzt, dem Buben freundlich in die Augen schauend, “willst du ein Senn werden?”
Der This fing an zu lächeln, aber dann hörte er plötzlich die vernichtenden Worte, die er von allen Seiten hundertmal vernommen hatte: “Aus dem wird nie etwas,”, “der kann nichts”, “der wird nichts”. Und schüchtern antwortete er. “Ich kann nichts werden.”
“This, ein Senn wirst du”, sagte der Franz Anton mit Bestimmtheit. “Du hast dich gut genug angestellt bei deiner ersten Arbeit. Nun bleibst du bei mir und trägst Milch und Wasser und hilfst mir bei allem. Und ich zeige dir, wie man buttert und Käse macht und sobald du groß genug bist, steckst du die Arme in den Kessel und bist mein Gehilfe.”