Als Wiseli den Otto herankommen sah, leuchtete sein Gesicht auf. “Guten Abend, Wiseli”, rief er von weitem, “warum bist du so lange nicht in die Schule gekommen?”

Wiseli streckte erfreut dem Otto die Hand entgegen. “Wir haben so viel zu tun, darum durfte ich nicht kommen”, sagte es. “Sieh nur, wie viel Birnen es gibt! Ich muß vom Morgen bis zum Abend auflesen, soviel ich nur kann.”

“Du hast ja ganz nasse Schuhe und Strümpfe”, erwiderte Otto. “Hier ist’s nicht gemütlich. Frierst du nicht, wenn du so naß bist?”

“Ich fröstle nur manchmal ein wenig, sonst ist es mir eher heiß vom Auflesen.” In diesem Augenblick gab der Hans seinem Korb einen solchen Ruck, daß alles übereinander auf den Boden hinrollte. Der Hans, der Korb und alle Birnen, die fuhren nach allen Richtungen hin.

“Oh, oh!” sagte Wiseli kläglich. “Nun muß man die alle wieder zusammenlesen.”

“Und die auch”, rief Chäppi und lachte, als die Birne, die er geworfen hatte, das Wiseli an der Schläfe traf, daß es ganz bleich wurde und ihm vor Schmerz das Wasser in die Augen schoß.

Kaum hatte Otto das gesehen, als er auf den Chäppi losfuhr, ihn samt seinem Korb umwarf und ihn fest im Genick packte. “Hör auf, ich muß ersticken”, gurgelte der Chäppi. Jetzt lachte er nicht mehr.

“Du sollst daran denken, daß du es mit mir zu tun hast, wenn du so mit dem Wiseli umgehst”, rief Otto zornig. “Hast du genug? Willst du daran denken?”

“Ja, ja, laß nur los!” bat Chäppi, mürbe gemacht.

Nun ließ Otto los. “Jetzt hast du’s gespürt”, sagte er; “wenn du dem Wiseli noch einmal etwas zuleide tust, so packe ich dich so, daß du noch einen Schrecken hast davon, wenn du siebzig Jahre alt bist. Auf Wiedersehen, Wiseli.” Damit drehte sich Otto um und ging mit seinem Zorn nachhause.