6. Kapitel (Das Alte und auch etwas Neues)

Der Sommer war vergangen, und auch die schönen Herbsttage waren zu
Ende. Es wurde kühl und nebelig am Abend, und in den feuchten
Wiesen fraßen die Kühe das letzte Gras ab. Hier und da flackerten
auf den Wiesen kleine Feuer auf, denn die Hirtenbuben brieten
Kartoffeln und wärmten sich die Hände.

An einem solchen nebelgrauen Abend kam Otto aus der Schule heim und erklärte seiner Mutter, er müsse nachsehen, was das Wiseli mache. Denn seit den Herbstferien war es noch nicht in die Schule gekommen, acht Tage lang nicht. Otto steckte seine Vesperäpfel zu sich und lief davon. Am Buchenrain angekommen, sah er den Rudi vor der Haustür am Boden sitzen und von einem Haufen Birnen, die neben ihm lagen, eine nach der anderen zerreißen.

“Wo ist das Wiseli?” fragte Otto.

“Draußen”, war die Antwort.

“Wo draußen?”

“Auf der Wiese.”

“Auf welcher Wiese?”

“Ich weiß nicht.” Und Rudi kaute weiter an seinen Birnen.

“Du stirbst einmal nicht am Gescheitsein”, bemerkte Otto und ging auf gut Glück zur großen Wiese, die sich vom Haus bis gegen den Wald hinaufzog. Jetzt entdeckte er drei schwarze Punkte unter einem Birnbaum und ging darauf zu. Richtig, da bückte sich Wiseli, um die Birnen zusammenzulesen. Dort saß der Chäppi rittlings auf seinem Birnenkorb, und zuhinterst lag der Hans rücklings über den vollen Korb hin und schaukelte sich so darauf, daß der Korb jeden Augenblick umzustürzen drohte. Chäppi sah ihm zu und lachte.