“Ich danke Ihnen”, sagte nun die Frau Oberst und stand auf. “Der
Andres wird Ihnen gewiß auch recht dankbar sein. Kann ich das
Wiseli gleich mit mir nehmen?”

Die Tante meinte, es werde nicht so stark pressieren. Aber der Mann fand es am besten so. Je schneller Wiseli gehe, desto früher sei es wieder da, meinte er. Denn er bestand auf den vierzehn Tagen. Wiseli wurde herbeigerufen, und der Onkel sagte ihm, es solle schnell sein Bündelchen Kleider zusammenpacken, weiter nichts. Wiseli gehorchte. Fragen durfte es nicht, warum. Seit es sein Bündelchen in das Haus gebracht hatte, war gerade ein Jahr vergangen. Es war nichts Neues hinzugekommen als sein schwarzes Röcklein, das hatte es an. Es war aber nun abgetragen und hing wie ein Fetzchen an dem Kind herab. Und Wiseli schaute ein wenig scheu die Frau Oberst an, als es nun mit seinem leichten Bündelchen dastand.

Sie verstand den schüchternen Blick und sagte: “Komm nur, Wiseli, wir gehen nicht weit, es geht schon so.”

Dann nahm sie schnell Abschied von den Leuten, und als Wiseli dem Onkel die Hand gab, sagte er: “Du kommst bald wieder heim, du brauchst dich nicht groß zu verabschieden.”

Schweigend und sehr verwundert ging das Wiseli hinter der Frau Oberst her, die rasch über den beschneiten Feldweg schritt, so als befürchtete sie, man könnte sie samt dem Wiseli wieder zurückholen. Als aber der Buchenrain nicht mehr zu sehen war, drehte sie sich um und bleib stehen.

“Wiseli”, sagte sie freundlich, “kennst du den Schreiner Andres?”

“Ja, freilich”, antwortete Wiseli, und seine Augen leuchteten auf, als es den Namen hörte. Die Frau Oberst war erstaunt.

“Er ist krank”, fuhr sie fort. “Willst du ihn ein wenig verpflegen und etwa vierzehn Tage bei ihm bleiben?”

Mehr als Wiselis schnelle und kurze Antwort: “Ja, gern!” sagte der Frau Oberst sein Gesicht. Das wurde ganz von Freudenröte übergossen. Die Frau Oberst sah das gern. Doch mußte sie sich wundern, daß Wiseli eine so besondere Freude zeigte. Denn sie wußte nichts von seinem Erlebnis mit dem Andres, aber das Wiseli hatte es nie vergessen.

Sie gingen nun wieder weiter. Aber nach einer Weile fügte die Frau
Oberst noch hinzu: “Du mußt es dann dem Schreiner Andres sagen, daß
du so gern zu ihm gekommen bist, Wiseli. Er glaubt es sonst nicht.
Vergiß es nicht.”