“Was muß ich jetzt tun?” fragte Wiseli, als er sich immer noch nicht umkehrte.

Jetzt wandte er sich zu dem Kind und sagte freundlich: “Ich weiß es gewiß nicht. Wiseli, tu du nur, was du willst, wenn du nur ein wenig bei mir bleiben willst.”

Wiseli wußte gar nicht, wie ihm geschah. Seit es die Stimme seiner Mutter zum letztenmal hörte, hatte niemand mehr so zu ihm geredet. Es war gerade, als spüre es die Liebe seiner Mutter wieder in Andres’ Worten. Es mußte mit beiden Händen seine Hand nehmen, so wie es oft die Hand der Mutter gefaßt hatte. Und so stand es eine Weile an dem Bett, und es war so glücklich, daß es gar nichts sagen konnte. Aber es dachte: Jetzt weiß es die Mutter auch und ist froh.

Gerade so dachte der Andres: “Jetzt weiß es die Mutter auch und ist froh.”

Dann sagte das Wiseli: “Jetzt muß ich Ihnen gewiß etwas kochen, es ist schon über Mittag. Was muß ich kochen?”

“Koch du nur, was du willst”, sagte der Andres. Aber dem Wiseli war es darum zu tun, es dem Kranken recht zu machen. Und es fragte so lange hin und her, bis es gemerkt hatte, was er essen müsse— eine gute Suppe und ein Stück von dem Fleisch, das im Kasten war. Und dann bestand er darauf, das Wiseli müsse noch einen Milchbrei für sich kochen.

Es wußte recht gut Bescheid in der Küche, denn es hatte wirklich etwas gelernt bei der Tante, wenn auch unter harten Worten. Das konnte es nun gut brauchen. So hatte es in kurzer Zeit alles bereit gemacht, und der Kranke wünschte, daß es ein Tischchen an sein Bett rücke und neben ihm sitze zum Essen, damit er es auch sehen könne und wisse, daß es noch da sei. Ein so vergnügtes Mittagsmahl hatte Wiseli lange nicht genossen, und auch der Schreiner Andres nicht.

Als sie damit zu Ende waren, stand das Kind auf. Aber Andres sah das nicht gern und sagte: “Wohin willst du, Wiseli? Willst du nicht noch ein wenig dableiben, oder wird es dir ein bißchen langweilig bei mir?”

“Nein, gewiß nicht”, versicherte Wiseli. “Aber nach dem Essen muß man immer abwaschen und alles wieder sauber auf das Gestell hinaufräumen.”

“Ich weiß schon, wie man’s macht”, gestand Andres. “Ich habe gedacht, heute nur, so zum erstenmal, könntest du ja nur alles zusammenstellen und dann etwa morgen auf einmal aufwaschen.”