“Nun, Miezchen”, fing der Vater wieder an, “was ist denn aus deiner
Räubergeschichte geworden? Du kamst ja gar nicht zu Ende. Also—
‘Artischocke’ hat der furchtbare Mann dich genannt und
den Stecken erhoben, und dann?”
“Dann, dann”, stotterte Miezchen kleinlaut, denn es hatte begriffen, daß es auf einmal alles verraten hatte und daß der Otto den Zuckerhahn zurückfordern würde, “dann hat er mich doch nicht totgeschlagen.”
“So, das war nett von ihm”, sagte der Vater lachend. “Und dann weiter?”
“Dann weiter gar nichts mehr”, wimmerte Miezchen.
“So, so, die Geschichte nimmt also ein fröhliches Ende. Der
Stecken bleibt in der Luft, und Miezchen geht als kleine
Artischocke nach Hause. Jetzt wollen wir gleich anstoßen auf alle
wohlgeratenen Artischocken und auf Schreiner Andres’ Gesundheit!”
Damit erhob der Vater sein Glas, und die Tischgesellschaft stimmte ein. Es standen aber alle ein wenig still vom Tisch auf, denn in jedem waren allerlei Gedanken aufgestiegen. Nur der Vater blieb gelassen, setzte sich zu seiner Zeitung und steckte eine Zigarre an.
Otto schlich ins andere Zimmer hinüber, drückte sich in eine Ecke und dachte darüber nach, wie es sein werde, wenn alle anderen wieder im Mondschein rodeln würden und er nie mehr dabei sein dürfte. Denn er wußte, daß die Mutter dies von nun an verbieten würde.
Miezchen kroch ins Schlafzimmer hinein, kauerte sich neben dem Bett auf das Schemelchen nieder, nahm den roten Zuckerhahn auf den Schoß und war sehr traurig, daß es ihn zum letztenmal sehen sollte.
Die Mutter blieb eine Zeitlang nachdenklich am Fenster stehen. Ihre Gedanken mußten sie immer mehr und aufregender beschäftigen, denn jetzt fing sie an im Zimmer hin und her zu gehen. Und plötzlich verließ sie es und lief hierhin und dahin, suchte nach dem Miezchen. Sie fand es endlich hinter seinem Bett auf dem Schemel, in seine traurigen Betrachtungen versunken.
“Miezchen”, sagte die Mutter, “jetzt erzähl mir, wo und wann ein
Mann dir drohte und was er dir nachgerufen hat.”