Als er aber endlich etwas sagen wollte, da hörte man nichts davon.
Denn in dem Augenblick wurde mit einem Krach die Tür aufgeschlagen,
und herein sprang mit einem Satz bis mitten in die Stube der Otto.
Dann machte er noch einen großen Sprung über einen Stuhl und rief:
“Juhe, wir haben gewonnen, und das Wiseli ist erlöst!”
Hinter ihm stürzte das Miezchen hervor, rannte gleich auf seinen
Freund los und sagte mit bedeutungsvollem Winken gegen die Tür hin:
“Jetzt, Andres, wirst du gleich sehen, was zum Genesungsfest kommt!”
Und da kam schon der Bäckerjunge herein mit einem so ungeheuren Brett auf dem Kopf, daß er in der Tür steckenblieb und nicht damit weiter konnte. Aber von hinten kam eine kräftige Hand, die hob und schob und stützte das wankende Gebäude, bis es glücklich in der Stube angelangt und auf den Tisch gesetzt war, den es gänzlich bedeckte. Denn Otto und Miezchen hatten Sparbüchsen geopfert und zum Genesungsfest den allergrößten Rahmkuchen machen lassen, den ein Mensch machen könnte. Da er nun zu klein geworden wäre als runder Kuchen, so hatte man ihn viereckig gemacht, so daß er den Ofen ausfüllte von vorn bis hinten und nun den ganzen Tisch bedeckte.
Auf den Boden stellte nun die Trine, die hinter dem Bäckerjungen hilfreich hereingekommen war, ihren großen Korb. Da waren ein schöner Braten darin und Wein dazu, denn die Frau Oberst hatte gesagt, heute habe der Andres gewiß noch keinen Bissen gegessen. Und vielleicht das Wiseli ebenfalls nicht, und so war es auch. Jetzt merkte auch das Wiseli, daß es hungrig war, als es alle die einladenden Sachen vor sich sah.
Nun setzte sich die ganze Gesellschaft an den Tisch, und man konnte gar nicht absehen, wer von allen das fröhlichste Gesicht hatte. Vor allem mußte der Riesenkuchen in der Mitte zerschnitten und die Hälfte auf den Boden gelegt werden, daß man Platz bekam. Nun folgte ein fröhliches Festessen, denn jedem, der an diesem Tisch saß, war sein höchster Wunsch in Erfüllung gegangen.
Als es nun spät geworden war unter all der Freude und man endlich vom Tisch aufstehen mußte, sagte Andres: “Heute habt ihr ein Fest bereitet. Aber am Sonntag will ich auch eins bereiten, dann kommt ihr wieder. Und das soll das Fest des Einstands sein für mein Töchterchen.”
Nun schüttelten sich alle die Hände in der frohen Aussicht auf ein neues herrliches Fest und auf die immerwährende Befriedigung, das Wiseli beim Schreiner Andres zu wissen. In der Tür aber gab Wiseli dem Otto noch einmal die Hand und sagte: “Ich danke dir hunderttausendmal für alles Gute, Otto. Der Chäppi hat mir auch nie mehr etwas an den Kopf geworfen, weil er nicht durfte. Das habe ich nur dir zu danken.”
“Und ich danke dir auch, Wiseli”, entgegnete Otto. “Ich habe gar nie mehr die Fetzen auflesen müssen in der Schule. Das habe ich nur dir zu danken.”
Nun war in dem Stübchen alles still geworden, und der Mondschein kam leise durchs Fenster herein, bei dem der Schreiner Andres saß, während Wiseli abräumte. Dann kam das Kind zu ihm und sagte: “Vater, soll ich dir nicht den Liedervers der Mutter laut vorbeten? Ich habe ihn heute abend immer wieder leise für mich sagen müssen. Den will ich gewiß mein ganzes Leben lang nie vergessen.”
Andres wollte den Vers hören, und Wiseli schaute zu den Sternen auf und sagte tief aus seinem Herzen heraus: