»Ich meine – und gelt, Tante, das meinst du doch gewiß auch? – daß es furchtbar schade wäre, wenn der Fani in die Fabrik gehen müßte und gar keine Zeit zum Zeichnen mehr hätte. Er sollte doch gewiß ein Maler werden, Tante, nicht wahr, Fani sollte ein Maler werden, so schnell als möglich, daß er nicht in die Fabrik eintreten muß und dann nie mehr herauskommt und alles zu spät ist?«
»Das geht nicht so leicht, Emmi, so ein Maler und Künstler zu werden. Auch weiß man gar nicht, ob der Fani wirklich genug Talent dazu hätte; da braucht es dann noch etwas ganz anderes, als in der Schule ordentlich zeichnen zu können.«
»Ja aber, Tante, ich wollte nur gern, daß du mir sagtest, daß du doch auch so denkst, daß der Fani viel lieber ein Maler werden soll, wenn er kann, als daß er in die Fabrik gehen soll. Nicht wahr, das ist doch ganz gewiß deine Ansicht, Tante?« Emmi war so dringend, als hätte die Tante die Frage gerade jetzt zu entscheiden.
Begütigend sagte sie: »Wenn Fani wirklich Aussicht hätte, ein Maler zu werden, so wäre ich schon dafür und möchte es ihm herzlich gönnen; aber davon ist ja doch keine Rede, Emmi.«
»Kann ich endlich fortfahren, Tante? Emmi schwatzt ja nur unnützes Zeug«, fiel der Fred hier ein. Aber Emmi ließ ihn noch nicht aufkommen.
»Tante, erklär mir nur noch ein Wort«, bat sie dringend; »was heißt das: Dekoration?«
»Das heißt Verzierung, Emmi. Was hast du mit Dekorationen zu schaffen?« fragte die Tante.
»Es heißt auch Theaterwand«, ergänzte Fred.
»O, das ist recht!« rief Emmi erfreut aus und rannte sehr unternehmend davon.
Einen Augenblick saß Fred nachdenklich da, dann sagte er forschend: »Tante, hast du nicht gemerkt, daß Emmi etwas im Sinn hat? Glaubst du, sie wollte mit einer Theatertruppe fortgehen?«