Sämtlicher Laster und Tugenden bin ich teilhaftig. Ich habe mit Christus, dem Herrn, die Leidensnacht in Gethsemane durchlitten, und mit Buddha das innerste Wesen der Welt erkannt. Ich bin geschlechtlos, bin Mann und Weib. Schuldlos bin ich und naiv wie das reinste Kind und erfahren wie der blasierteste Roué! Ich bin Kaiser und Held und der niedrigste Sklave. Der gewandteste, gefährlichste und der blödeste, einfältigste Liebhaber, bin und habe, was ich will.
Jetzt aber bin ich eine große, schöne Blume. Bin Fühlen, ganz, ganz dämmerndes Fühlen. Ich wurzele in einer süßen, feuchten Kühle, und dehne mich sacht in ein laues, fächelndes Schweigen hinein, spreize mich, ringend und nachgebend, mit hundert Formen in sanften, neckischen Widerstand hinein, etwas Heißem, Lichtem sehnend entgegen. Zu oberst leuchte ich vor Jubel, und meine Lust wird eine köstliche Süße. Es schwirrt zu mir her mit bunten, durchsichtigen Flügeln, und ich erschaure in den Wonnen einer leisen, leisen, sanften Berührung …
Traum bin ich, Traum, ganz Traum und süßes, süßes Verdämmern, Schlummern, Entschlafen …
Staunendes, erschrecktes Erwachen.
Lange Schatten und müde Lichter. Treiben und wellen mit verglühendem Gekräusel über die Wasser herüber und verblinken in stumpfes Blaugrau.
Goldig versinkende Glut über breitgedehntem, schwarzem Baumgekrissel.
Hoch, hoch drüber aus zartem, zartem Grün ein Sternchen.
Noch eins; noch eins. Viele.