Nun macht mich mein begehrender, ahnender Sinn kleiner und immer kleiner, und nun bin ich winzig, ganz ganz winzig klein.
Ich habe ein goldgrünes Röckchen auf einem runden, festen, geschmeidigen Körperchen, tripple mit sechs flinken Beinchen und habe zwei Äugelchen wie rote Rubinen, zwei scharfe, feine Äugelchen. Schlüpfe, schmiege, winde mich durch eine wunderliche, üppig verschlungene Endlosigkeit, wandere und weile, und wandere wieder, emsig, rastlos.
Von hier bis zum Fluß hinunter sind nun viele, viele Meilen, und da unten ist ein Meer, ein unabsehbares, strahlendes Meer.
Ich wandre und wandre, raste mit atemlosem Staunen, und wandre wieder, schaue und staune.
Jetzt bin ich tief, tief unten, in einem feuchten, braunen Dunkel. Da ist ein millionenfältiges Gewirr von Formen, Farben und Körpern. Da spreizt sich in dicken, dichten Ranken härenes Gekrissel, da filzt es sich über- und durcheinander mit Milliarden von Spitzchen und Hälmchen, von Blättchen, Knöspchen und Blüten. Millionen mächtiger Stämme im dichten Beieinander streben draus empor. Große, rote Würmer schlingen sich zwischen ihnen hin, und es kribbelt, und schlüpft und kriecht und schmiegt sich, zirpt, singt, pfeift und raschelt in einer Welt von Tönen, die noch nie mein vordem ungefüges Menschenohr vernommen hat, von Formen und Körpern, dunkel und bunt, wie sie nie mein Menschenauge sehen konnte. Die seh ich alle mit meinen feinen, roten Äugelchen, und höre sie mit einem scharfen, unendlich scharfen Gehör, und nehme das alles wahr mit zarten Sinnen.
Da glimmt Feuchte in feinen Perlchen, und in ihnen lebt das durchsichtige Getümmel neuer Welten in heimlicher Irispracht. Da dehnt es zarte Körperwände und zieht sie zurück. Da rinnt es zusammen, wächst und teilt sich. Da keimt es und bildet sichs, verschlingt und wehrt sichs im unendlichen Wechsel, im ewigen Hin und Wieder.
Und aus tiefstem braunen Dämmer streb ich hinauf am Schaft eines Grases, das nun ein Baum ist, ein mächtiger Baum, und strebe einem Schimmer nach, einem Glanz entgegen.
Ich fühle, wie es unter mir dadrinnen sich dehnt und mehrt, wie es rauscht von Säften und gärt mit freudigem, sehnendem Wachstum. Und nun teilt sich der Schaft in breite, langgespreizte Halme, und sie wieder mischen sich in ein milliardenfältiges, lichtgrünes Gewirr im ewigen Wechsel schwankender Biegungen. Millionen mächtiger Diamanten aneinander hingereiht in gleißender Pracht an den Rändern langgestreckter Stengelblätter. Flinkern und Leuchten silbriger Härchen. Lustiges Getier dazwischen mit tausend Tönen und Farben, mit Zirpen, Summen, Schrillen und Jauchzen, mit schwirrender Flügelpracht.
Lichter wird es nun und lichter. In einem sanften Biegen und Wiegen bin ich. Da seh ich die unerhörte Schönheit riesiger, leuchtender Farbenwunder gegen ein unendliches, laut, laut jubelndes Blau. Mächtige, silberweiße Sterne schaukeln da oben mit blitzenden Schwingungen auf schlanken, rauchflaumigen Stielen. Ich sehe runden Silberrauch, der sich um weißgrüne Kelchknöpfe ballt. Und blendend goldene große und kleine Sterne. Sanftgewiegte, still strahlende, fröhlich blitzende Wunder. Unzählige blaue, lilaweiße, rote, violette, tausendfarbige Kelch- und Glockenpracht, gezackt, beperlt, bewimpert, glatt, mit feinem Netzwerk bunter Äderchen, im dicht und weit geregelten Beieinander an schlanken und dicken runden Stengeln hinauf. Buntes, süß verwirrendes Gekrissel von Grasdolden und die tiefglühende, breitentfaltete Pracht des roten Mohns.
Und höher, immer höher!