Auf dem goldenen Kelchknopf eines riesigen, silberleuchtenden Sternes sitz ich, oben, hoch oben auf dem höchsten Wipfel, und schaukle mit selig dämmernden Sinnen, betäubt von Duft, Licht und dem weiten, unendlichen Einklang holden Getöns. Bunte, breitentfaltete Schwingenpracht gleißt über mir und an mir hin, rastet, bebt, glänzt, leuchtet auf herrlichen Blütenwundern, surrt und tönt in berauschenden, taumelnden Tänzen hinein in die warme, lichte Unendlichkeit. Jauchzende, kreischende, glockenklar süße, brüllende, wiehernde, zwitschernde, millionenstimmige Lust.

Und süße, warme Kraft in den Muskeln meiner Schwingen und bebende, sehnende Lust in meinem Leib. Und auf, hoch hoch hinauf in Wärme, Lichtflut, Glanz und Farbe. Und von mir geht ein Tönen aus, ein feines, wunderliches Tönen …


Jetzt habe ich einen Schilfhalm herausgezogen und bin nun Wißbegier, ganz Wißbegier und erkenne.

Hier ist ein langes, faltendes, blaugrünes Blatt. Und hier unter ihm ein zarteres mit einem helleren Grün. Und Blatt schäl ich von Blatt und Hülle von Hülle. So, und nun weiß ich eine große, stolze Weisheit: Blatt schließt sich um Blatt und Hülle um Hülle in alle Unendlichkeit hinein.

Ach, ich muß lachen, lachen!

Ich sehe einen schnurrigen alten Herrn mit einer mächtigen Brille auf einer langen, spitzen Nase. Er sieht aus wie ein uralter Chinesengreis. Sein Kopf ist wie ein Totenschädel, über den sich eine vergilbte, unendlich faltige Haut spannt. Er hat einen breiten mokanten Mund mit einer hochmütigen, ewig spöttisch-dummen Unterlippe und wasserblaue, neunmalkluge Äugelchen. Der kann die wunderschönsten Kunststücke aus lauter Normen, Regeln und Regelchen, Gesetzen und Gesetzchen zusammenbauen. Ein so kluges Wirrwarr, daß einem die Augen übergehen vor lauter lauter Staunen. Und mit seinen alten Beinchen versteht er sich auf den Eiertanz wie kein zweiter.

Ach – jetzt! hier! wie ungeheuer, ungeheuer spaßhaft der alte Würdetaper ist!

O, da unten zwischen feuchter, bröckelnder Krume schlingt sich durch das schwarze Dunkel ein blöder Wurm; und hier liegt ein zweibeiniges Tier, das spintisiert und klebt mit seinem Wollen und Entschließen an allerlei Gedankenleim fest. Weit, weit dahinten aber blauen ferne Berge. Und dort, auf dem höchsten Gipfel, auf der höchsten Wipfelspitze der höchsten Kiefer, da zwitschert und zirpt eine kleine Meise, und wenn sie will, so fliegt sie weit, weit in die blaue Himmelsfreiheit hinein …