Die wunderbaren Stunden, wenn ich nachmittags mit meinem Buche hinaufschlendre in die Waldeskühle! Denn einige Lektüre hab ich mir doch mit hierhergebracht. Wenigstens so pro forma. Man ist doch nun einmal ein zivilisierter Mensch.
Aber gleich gesagt: Dostojewski, Zola, Ibsen, Tolstoi usw. hab ich zu Hause gelassen. Ein paar Bände Goethe, das »Wunderhorn«, den »Simplicissimus«, den »Jobst Sackmann« und noch einiges Deutsche der Art hatte ich mir diesmal in meinen Reisekoffer gesteckt. Alte Liebe rostet nicht …
Ich weiß nicht: aber es geht mir immer wieder das Herz auf über alledem, wenn ich mich in den Sackgassen der Fremde so recht abgemüht und herumgeschunden habe. Und wenn ich so in den alten Büchern lese, in dieser Umgebung und jetzt, wird mir gleich wohler.
[pg 36] Muttersprache! – Alt, veraltet: ja! Meinetwegen!
Aber doch: der Geist ist derselbe; er trägt auch mich. Auch heute noch! – Und es ist mir, als wolle das alles weiterwachsen, neue Triebe treiben, neu sich offenbaren.
Es bleibt am Ende doch so: man fühlt nur seine Gefühle, spricht nur seine Sprache. Das ist Pflicht. Das ist Notwendigkeit.
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Die wunderbaren Stunden!
Die Gassen liegen still und öde. Die Leute sind draußen auf den Feldern oder drin in ihren Werkstätten. Ein paar Fliegen, ein paar Schwalben, die Luft in feinen Wellenlinien an den Häuserchen und über dem stillen Laub der kleinen Vorgärten hinflirrend in dem heißen, hellen Nachmittagslicht: das ist alles. Drüber der Himmel mit schneeweißen, in einem feinen Silberduft verschwimmenden Flockenwölkchen. Ab und zu, von dem Hügelland oben schräg vor dem Ausgang der Gasse her, ein kühlendes Lüftchen.
Noch ein halbes Stündchen Weg über die grünwelligen Hügelhöhen hin, und ich stehe zwischen dem Vorgestrüpp an den alten, stillen Eichen hin …