Hoch oben in den mächtigen Wipfeln spielt die Sonne. An den dicken, grauborkigen Stämmen liegt es in goldigen, saftiggrünen, lila und violetten Lichtern.
Tief aus dem blaudämmernden Grunde, fern, weithin verhallend in der nachmittagsstillen Einsamkeit, der gelle Schrei eines Vogels.
Morsches Geäst und Reisig knickt unter meinen Schritten [pg 37] in das weiche Waldmoos hinein, und die Dornen der wilden Rosen zupfen an meinen Kleidern.
Ein Getier, das durch Farne, Moos und hohes, wogendes Waldgras hinraschelt. Wuchtende, leise sausende Schwingen über mir hin. Eine Krähe, ein mächtiges schwarzes Tier, die schräg über das Gestrüpp zu dem Vorlande hinstrebt.
Und nun verlier ich mich zwischen den alten Stämmen, hinein in das kühle, bläuliche Dämmern …
O hier! Hier!…
O Einsamkeit! Waldeinsamkeit!
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Mein Ruheplätzchen!
Tief im Walde drin haben die Eichen ein Stück grünen Hang frei gelassen. Im Kreise stehen sie herum, hoch und still, mit ihren breiten, wetterzerklüfteten Wipfeln. Zwischen den Stämmen das wunderliche Dämmern. Zitternde Sonnenlichter lassen hier und da ein Stück Stamm draus hervorleuchten und fallen in goldigen, magischen Tropfen auf die Haselnußblätter drunter. Alles andere verschwimmt, nach hinten, in ungewissen nebeligen Konturen. Unten an den Stämmen Haselnußgebüsch und wilde Rosen. Hohes, lichtgrünes Gras über die ganze Lichtung. Bunte Waldblumen leuchten in der Sonne draus vor. Ein fortwährendes, leises, metallisches Gesumme von Waldbienen, Hummeln und Käfern. Bald laut, bald leise. Ferner, näher. Oben über allem, als eine freie Flucht aus dieser walddämmernden, rätselhaften Beengtheit, die blaue Himmelstiefe.