Ich will nicht davon reden, mit welch liebevoller Sorgfalt sein Phlegma geräucherte Schweinsköpfe zu überzuckern wußte und wie durchaus korrekt seine Leberwürste [pg 83] waren: nur, daß ich die angenehme Gewohnheit entbehren soll, ihn Morgen für Morgen zu begrüßen, wenn er mit seiner gewaltigen weißen Schürze und seinem roten Gesicht vor der Ladentür mitten zwischen den beiden blitzblanken Messinghaken in der Frühsonne strahlte: was für eine Lücke in meinem Tagesprogramm! –
Der Selige! –
————
Ich riß mich los und ging weiter.
Von der Kirche her klang die Orgel.
Aus der Kirchtür quoll eine Staubwolke in die Nachmittagssonne heraus. Es war Sonnabend und wurde gefegt.
Ich blieb stehen und lauschte.
Der Kantor entschlüpft zuweilen nachmittags dem Spektakel seiner sechs Rangen und spielt ein Stündchen zu seinem Privatvergnügen auf der Orgel. Wenn’s mir paßt, schleich ich mich wohl mal hinein, drücke mich in irgendeinen Kirchstuhl so, daß ich ihn beobachten kann, und hör ihm zu.
Nämlich sein Spiel … Es liegt etwas in seinem Spiel, etwas, etwas … Hm! – Etwas, das einem ein so eigenes Gefühl in der Herzgegend schafft, das mich förmlich in meine verschwiegene Kirchstuhlecke drückt.
Ob er sich seiner Gabe bewußt ist? Ich habe ihm nie angemerkt, daß er viel Wesens davon macht. Er meinte nur einmal, daß er »für sein Leben gern Musik studiert hätte«. –