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Eine halbe Stunde durch den peitschenden Regen und knatternden Sturm, und mein Blut singt mir andere Lieder, und frei und fröhlich halt ich Widerpart.
[pg 87] Ja, es wird besser werden, und ob auch alles sonst beim alten bliebe! Denn ein Stamm gesunder Kerls wird emporkommen, die sich nicht durch Redensarten und Hirngespinste unterkriegen lassen, und eine Zeit, bei der sie Widerhall finden. Sie werden sein, so wahr sie gewesen sind. Und wenn wir über Triebe und Kräfte reflektieren, weil wir unser selbst ungewiß sind, so werden sie Trieb und Kraft sein. Mitten im Leben werden sie den herrlichen Leichtsinn haben, daß sie lachen können, und in ihrem Lachen wird keine Bitterkeit und versteckte Anklage sein. Mit all seinen wunderlichen Leidenschaften und seinem tollen Durcheinander wird es ihrer Kraft ein Spiel sein. Tändeln werden sie mit ihm, wie die Griechen mit ihm tändelten, und sie werden die alte Sphinxbestie singen machen und ihre tausend wirren Töne zusammenzwingen in eine Harmonie. Dann wird es mit dem Geschwätz von Sittlichkeit und Wahrheit, von Optimismus und Pessimismus endlich mal eine Zeitlang ein Ende haben. Ihr Lachen wird es übertönen. Kein Suchen mehr, denn sie werden gefunden haben, was einzig je zu finden ist: sich selbst. Sie werden sich erlösen vom Leben in Werken, um die es webt von ihrem weltbezwingenden Leichtsinn wie Sonnenschein und rosiges Leuchten.
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Der Sturm saust mir um die Ohren, und sein Tosen wandle ich in ungefüge Rhythmen und laß ihn pfeifen nach meiner Weise, wie ich allein gegen ihn ringe in der rauhen, öden Einsamkeit hier oben. Und er singt mir mehr, als zu sagen und festzuhalten ist. –
[pg 88] Als ich nach Hause kam, hatt ich nasse Stiefel und vielleicht einen tüchtigen Schnupfen im Leibe, aber Courage für lange Tage.
Abschied
So sind denn meine Siebensachen gepackt. Wieder einmal. Morgen, in aller Frühe, geht’s fort.
Hier, von der Bodenluke aus, zwischen allerlei altem, wunderlichem Kram, kann ich noch einmal alles so recht überschauen.
Weit dehnt sich der klare, mattblaue Himmel, und über die feierabendstille Gegend breiten sich lange, ruhige Schatten. Aus der Ferne, durch die reine Luft, Rufe und Peitschenknallen und das träge Rattern schwergeladener Erntewagen. Hier und da, in Reihen über die Felder hin, Getreidehocken, goldbronzen im Abendlicht. Schwalben vorüber mit langgezogenem Gezwitscher, in den kühlen Abend hinein. Vom Kirchberg herüber, silberhell, das Abendläuten.