Zwei erkaltete große Sonnen treffen im Weltraum aufeinander. Sie sind nicht vollständig erkaltet, sondern bergen in ihrem Innern noch heißen gasigen Stoff. Der Zusammenstoß macht die beiden Körper bersten und ihr heißgasiges Innere explodieren. Es entsteht eine ungeheure Erhitzung und eine zweiseitige Ab- und Ausschleuderung der erhitzten und gasig gewordenen Materie, die sich mit zwei Armen spiralig neblig um eine zentrale kugelige Verdickung herumlegt.
Nun sollte man meinen, die weitere Ausbildung des im Entstehen begriffenen Systems gehe dergestalt vor sich, daß infolge zentraler Rotation die beiden spiraligen Nebelarme selbständig Zentren ausbilden, die später als Trabanten den Zentralkörper in der Richtung der zentralen Rotation begleiten; indessen keineswegs! Zwar gibt Arrhenius zu, daß bis zu einem gewissen Grade eine solche Zentrenbildung stattfindet, aber trotzdem ist durchaus nicht sie es, welche die späteren Trabanten zustandebringt. Vielmehr sollen diese in der Hauptsache auf folgende Weise entstehen:
Beständig dringen nicht nur zahllose Meteoriten, sondern sogar größere Körper in den Nebel hinein. Die meisten durchschlagen ihn zwar und setzen ihre Bahnen in den Raum hinein fort, immerhin aber werden diese und jene dennoch von dem Nebel festgehalten, geraten – obgleich sie doch an und für sich die Kraft haben, diese Rotation zu durchbrechen?! – in die Richtung von dessen Rotation, ziehen die Materie des Nebels und etwaige durch die Rotation bereits entstandenen Zentren an sich heran und werden so zu Trabanten des Zentralkörpers; wogegen die eigene Zentrenbildung des Nebels überhaupt so gut wie ganz und gar bedeutungslos bleiben soll!
Das ist die kosmogonische Theorie, die sogenannte »Explosionstheorie« von Svante Arrhenius! –
Sehen wir zu, was es mit ihr auf sich hat.
Ich glaube, der aufmerksamere Leser, der sie inzwischen mit der vorhin skizzierten Kant-Laplaceschen Hypothese verglichen hat, wird bereits bedenklich den Kopf geschüttelt haben. Wahrhaftig nur mit vollem Recht! Denn diese Explosionstheorie von Arrhenius ist nichts als eine unglaubliche Absurdität. (Ein Astronom, mit dem ich in Briefwechsel stand, hat sie mir gegenüber denn auch direkt als »lächerlich« bezeichnet.)
Zunächst, was für eine bedenkliche und befremdliche Freizügigkeit der kosmischen Körper! Nicht nur, daß überhaupt zwei »erkaltete Sonnen« solchermaßen und ganz ohne Rücksicht darauf, ob sie andere Systeme dabei etwa zerstören oder nicht, aufeinandertreffen und explodieren können, sondern auch noch alle diese zahllosen Meteoriten und Großkörper, die da kreuz und quer durcheinanderfahren und dabei, wie es gerade der Zufall fügt, zugleich den Nebel durchbrechen und sich von ihm fangen lassen sollen. Welche regellose Willkür in der kosmischen Bewegung, die wir uns doch – Einheit und Erhaltung der Kraft und zentrale Polarität! – als eine völlig einheitliche und streng geregelte vorzustellen haben! Oder geben etwa die so befremdlich und problematisch exzentrischen Bahnen von Kometen und Sternschnuppenschwärmen Berechtigung zur Annahme einer derartigen Freizügigkeit? Unmöglich, da die Kometen und Sternschnuppen ihre Umlaufsbahnen ja immerhin einhalten und nach irgend einer offenbaren gesetzlichen Ordnung vollziehen, von den schweren Großkörpern aber, zwischen denen sie passieren, wohl Ablenkung erfahren, diese selbst aber und ihre Bahnen und Systeme nicht einen Augenblick zu stören vermögen. Zwar können Kometen sich sogar auflösen, indessen haben wir alle Ursache anzunehmen, daß die Sternschnuppenschwärme, in die ein Komet sich aufgelöst hat, sich gleichfalls, wie die anderen, in einer streng innegehaltenen Umlaufsbahn bewegen.
Im übrigen aber: wie sollte es wohl denkbar sein, daß Fremdkörper in einer Weise, wie Arrhenius dies annimmt, in den Bereich eines werdenden Systems hineingeraten und es in seinem Werdeprozeß stören könnten! Die Kraft der Rotation des Systems – man denke: die Wucht zweier aufeinanderprallender erkalteter großer Sonnenkörper: welch eine ungeheuere Rotationskraft und welch einen ungeheueren wirbelnden Reflex derselben nach allen Seiten hin müßte sie zur Folge haben! – läßt das ja nicht einen Augenblick zu!
Und würden nicht auch wir selbst, würde nicht auch unser Planetensystem täglich und stündlich erleben können, daß uns bei solch einer regellosen Freizügigkeit große Körper aus kosmischen Fernen zugelangten und Bestand und Gefüge der Erde und des Systems in schwerster katastrophaler Weise gefährdeten?!