Im unendlichen Raum zieht sich überall Substanz zusammen. Sie befindet sich in einem feurig gasigen Nebelzustande, der rotiert. Diese Rotation vollzieht sich zunächst noch ganz langsam. Da aber der Nebel beständig Wärme in den kalten Weltraum hinein abgibt, so zieht der Nebel sich zusammen und in gleichem Maße nimmt auch seine Rotation zu, beschleunigt sich und wird kräftiger. Die Folge davon ist, daß von einer zentralen Verdickung aus, die sich später zum Zentralkörper des im Entstehen begriffenen Systems entwickelt, die Substanz ringförmig abgeschleudert wird. Diese Ringe zerreißen und ziehen sich zu Körpern zusammen, die alsdann den Zentralkörper in der Richtung von dessen Rotation umkreisen, festgehalten von seiner Gravitation und zugleich von einer Zentrifugalkraft, die ihnen eignen soll, von ihm abgedrängt und zu ihm in bestimmter Distanze gehalten.
Man sieht sofort, daß diese Kosmogonie sich mit einem elliptisch endlichen Kosmos und einem einheitlichen kosmischen System nicht mehr vereinbaren läßt. Denn hier wäre ja weder ein kalter, abkühlender Weltraum mehr, noch auch wäre für das Gesamtsystem noch ein Raum zu einer solchen Abschleuderung. Nur bei der Annahme eines unendlichen Weltraums konnte eine solche Hypothese Sinn und Überzeugungskraft haben. Auch verträgt sich im übrigen die mechanisch von außen her erfolgende Beschleunigung der zentralen Rotation keinen Augenblick mehr mit der Einheitlichkeit und Polarität der Kraft, die doch unbedingt verlangt, daß die Rotation sich durch sich selbst und aus zentraler Polarität heraus beschleunigt. Weiter aber ist überhaupt in der Kant-Laplaceschen Hypothese das Zustandekommen einer zentralen Rotation weder erklärt noch auch verständlich. Auch das Zustandekommen der Rotation der Trabanten bleibt durchaus unverständlich und ohne Erklärung. Ja sogar die Abschleuderung!
Aber das alles beiseite. Trotz allem eignete dieser Theorie an und für sich immerhin eine gewisse einleuchtende Kraft. Es muß einem sofort plausibel sein, daß kosmische Bewegung und Kraft die Substanz lokal kontrahiert und daß alsdann von einem durch solche Kontraktion sich ausbildenden Zentralkörper aus ganz einheitlich die weitere Ausbildung des Systems erfolgt. Auch die Rotation des Zentralkörpers, ob erklärt oder nicht, mußte die Ausbildung der Umlaufsbewegung des Systems sehr gut und mit geschlossener Einheitlichkeit einleuchtend machen. Außerdem durfte man ja an und für sich aus der tatsächlichen Rotation der Erde sehr wohl auch auf eine Rotation der übrigen Himmelskörper schließen.
Um es also banal zu sagen: Die Kant-Laplacesche Kosmogonie war sicherlich nichts weniger als dumm und bleibt nach wie vor, obgleich sie nachgerade nur noch historisch in Betracht kommt, aller Ehren wert.
Nun wollen wir uns aber mal ihr gegenüber einer der neuesten kosmogonischen Hypothesen ansehen, die prätentiert, die Kant-Laplacesche endgültig überwunden und erledigt zu haben!
Es handelt sich um die von Svante Arrhenius in seinem Buch »Das Werden der Welten« entwickelte sogenannte Explosionstheorie. Auch einem weiteren Publikum ist nicht unbekannt, welches Aufsehen ihr nobelpreisgekrönter Urheber mit ihr hervorgerufen und wie die astronomische Wissenschaft sie, wenn auch nicht mit vollständiger Einstimmigkeit, ernst genommen hat.
Wir bieten zunächst in aller Kürze den wesentlichsten Inhalt dieser Explosionstheorie.
Sie knüpft an die so interessante Erscheinung der »Novae«, jener plötzlich mit gewaltiger Kraft und ganz spontan aufleuchtenden Gestirne an, die mit diesem Aufleuchten zum ersten Mal in Erscheinung treten, um alsdann, nachdem ihre Leuchtkraft sich wieder vermindert hat, einen gewissen Ausbildungsprozeß zu zeigen, der im allgemeinen dem der kosmischen Spiralnebel entspricht. Man hat besonders im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte der Erscheinung der »Novae« eine nachhaltigere Aufmerksamkeit zugewandt und große Erwartungen für wichtigste Aufschlüsse in kosmogonischen Angelegenheiten an sie geknüpft; Erwartungen, die Arrhenius jetzt mit seiner Explosionstheorie gerechtfertigt haben soll.
Aber der Inhalt seiner Theorie!