Nichts wird sich der mechanistischen Wissenschaft von heute paradoxer ausnehmen, als diese Tatsache! Aber nichtsdestoweniger bleibt sie eine vollständig exakte und endgültige Tatsache!
Da nun aber, wie wir alle wissen, unabzählbar viele bewußtheitliche Paar-Individuen leben, gelebt haben und leben werden, so kann diese Tatsache offenbar nicht einen Augenblick mehr anders verstanden werden, als daß alles Sonderbewußtsein all dieser Individuen sich zentral eint und verknüpft in der Bewußtheitlichkeit eines einzigen Paar-Individuums, und daß aller Bewußtseinsbestand – wie natürlich auch aller organische! – sich einheitlich und kontinuierlich ausgliedert und abstuft von diesem Paar-Individuum aus bis in das Unterbewußtsein der niedrigsten organischen Wesen und des anorganischen Bestandes hinein! Ein anderes ist offenbar ganz unmöglich und undenkbar!
Haben wir jetzt aber die endgültige Bestätigung der religiösen Prämisse und Grundtatsache? Haben wir die Bestätigung des Urahnpaares und seiner Elite und beider Göttlichkeit gewonnen? Das haben wir indertat!
Dennoch werden wir uns aber noch damit abzufinden haben, daß zwar die Tradition eines Urahnpaares und seiner Elite, in welcher Form auch immer bis heutigen Tages festgehalten wurde, zugleich aber doch entschieden sehr viele solche göttlichen Paar-Individuen und solche Eliten vorhanden gewesen sind. Daß sie als solche wirklich da waren und daß sie in ihrer göttlichen Ausnahmenatur erkannt wurden, lehrt uns ja die Religionsgeschichte, und es kann also ein Zweifel an dieser Tatsache keinen Augenblick statthaft sein. Trotzdem aber: es muß ja doch alle, schlechterdings alle Bewußtheitlichkeit in ein und demselben Paar-Individuum und ein und derselben Elite verkörpert sein und sich zentral verknüpfen; wenn anders die Tatsache des einheitlichen absoluten Individuums und seiner einheitlichen absoluten Bewußtheitlichkeit zu recht bestehen soll.
Wie also ist dieser Widerspruch zu lösen?
Soviel zwar steht fest, daß man schlechterdings alle Bewußtheitlichkeit der Gattung Mensch in einem Urahnpaar und seiner Elite gar wohl sich verknüpfen und von ihm aus bis daher sich als Bewußtheitlichkeit menschlicher Gattung entwickeln und ausweiten lassen kann. Indessen wäre dabei sofort einerseits einzuwenden, daß sie sich offenbar nur für Lebzeiten des Urahnpaares und der Elite in diesen menschlich sonderpersönlich vereinte. Hernach aber sterben ja Urahnpaar und Elite. Somit war in einem und diesem Paar und dieser Elite vereinte menschliche Gesamtbewußtheitlichkeit nicht mehr solchermaßen vorhanden, sondern organisch-physisch nur in allem von da ab sich entwickelnden menschlichen Gattungsbestand indirekt und abgeleitet und direkt nur in Gestalt einer festgehaltenen geistigen Tradition und Erinnerung. Muß sie indessen nicht immer und jederzeit auch in aller Folgezeit von da an sich entwickelnder menschlicher Gattung in einem gegenwärtigen Paar und einer ihm angegliederten Elite vorhanden oder wenigstens direkt persönlich immer von neuem, wohl in den großen Hauptübergangsperioden menschlicher Entwicklung, vorhanden sein, während sie in der übrigen Zeit in Gestalt einer geistigen Tradition und Erinnerung und überdies in Gestalt einer persönlichen Repräsentanz vorhanden sein könnte? Müßte alsdann aber nicht auch dieses jeweilige Paar-Individuum und seine Elite, d. h. in den Hauptübergangsperioden, vollständig persönlich mit dem einstmals vorhanden gewesenen Urahnpaar und seiner Elite identisch sein, also direkt deren persönliche Wiedergeburt sein?
Aber ehe wir dieser Frage näher treten und sie erledigen können, ist erst noch ein anderer Einwand in Rücksicht zu ziehen. Nämlich man könnte andrerseits sagen: ist es denn wirklich möglich, anzunehmen, daß sich menschliche Gattung von einem einzigen menschlichen Urahnenpaar und seiner Elite aus entwickelt hat, also direkt von ihnen organischphysisch erzeugt wurde?
Zeigt die exakte Empirie der biologischen Entwicklungstheorie nicht vielmehr, daß es sich angesichts des Entstehens menschlicher Gattung um einen langen und allmählichen Übergang handelt? Dergestalt also, daß aus vorgeschrittensten Affenarten erst allmählich von diesen ihrem Ursprung sich noch kaum besonders unterscheidende Wesen abgeartet sind, deren Abartung alsdann allmählich dergestalt weiterging, daß endlich ein ganz entschieden wesentlich neues Gattungsmerkmal erreicht wurde?
Ganz gewiß: so und nicht anders verhält es sich! Aber wir dürfen eins nicht vergessen: Daß nämlich die erste Abartung immerhin im Bereich der alten Art numerisch eine Minderzahl bedeutete; ferner aber, daß sie sich zu irgend einem Zeitpunkt direkt als solche ganz besonders auffallend markieren und zum deutlichsten Bewußtsein sowohl der alten wie der neuen Artgenossen gelangen mußte. Ferner: daß das Gebiet, wo dieses markante Merkmal sich zuerst zeigte, ein Gebiet einer lebhaften physischen Krisis sein mußte, die wiederum nur eine kleine Elite in ganz besonders entscheidender und neuartbestimmender Weise durchmachte! Was aber ist alsdann selbstverständlicher, als daß ein individuelles Paar wieder im Bereich dieser kleinen Elite das neue physiologische Artmerkmal in allerdeutlichster und bedeutsamster Weise erlitt? Wie anders jedenfalls wäre wohl sonst die allgemeine und mit solcher Unausrottbarkeit bis heute festgehaltene religiöse Tradition vom Urahnenpaar und seiner Elite zu erklären? Denn wir dürfen doch ganz unmöglich dem Urmenschen eine geistig »mythenbildende« Fähigkeit zutrauen, wie sie in der späteren Antike auftauchte, wo man allerdings, wenn auch nur in Decadencezeiten, allgemeine kulturelle Neuströmungen in eine Kollektivperson dichterisch zusammentrug. Vielmehr muß ein anderes ausgeschlossen sein, als daß die Urmenschen die Erinnerung eines tatsächlich vorhanden gewesenen Urahnpaares und seiner Elite bewahrten, verehrten und weitertrugen.