Herr Becker schrieb mir in einem Brief vom 3. Juni d. J.:

»Ihre Kosmoslehre hat eine so innere Wahrscheinlichkeit, ja, ich halte dieselbe mit zu den durchdachtesten und verständlichsten Kosmosanschauungen. Die Beweise, die Sie für die einheitliche Geschlossenheit des Systems« (des allgemeinen, absoluten, kosmischen Systems) »mit einem Zentralkörper anführen, sind großartig detailliert.« – Ferner über die Beweise, die ich in meinen Briefen dafür aufgestellt hatte, daß außer der Erde kein Himmelskörper Achsenrotation hat:

»Da nun die Erde rotiert und die Bewegungen der Körper nur Ausweitungen der Rotation« (der Erde) »sein können, so muß dann selbstverständlich die Erde der Zentralkörper sein« … »Die Beweise für die Nichtrotation der kosmischen Körper sind überlegt durchgeführt« … »Der ständige Rhythmus von Repulsion und Kontraktion« (den ich als die wesentlichste Bewegung des kosmischen Systems und der Untersysteme nachgewiesen hatte) »läßt … keine Rotation« (der Himmelskörper) »zu«. – »Was ich in meinem großen Aufsatz« (dem oben erwähnten) »über die Rotation der Körper sagte, deren Beweise, abgeplattete Gestalt, Störungen bei den Bewegungen der Trabanten usw. fallen …, gebe ich offen zu, vollständig weg.«

In einem Brief vom 12. Juni aber machte Herr Becker mir dann sogar noch weiter gehende und höchst wichtige Zugeständnisse, indem er vor allem die Prämisse meiner geozentrischen Feststellung, die sich ausdrücklich als eine hypothesenfreie, auf axiomatischer Grundlage beruhende darbietet, voll und ganz anerkannte! – Und etwas später teilte er mir mit, daß es mir vollstens gelungen sei, die Kopernikanische Anschauung zu entkräften; und er schloß ab mit der Erklärung: »Die kopernikanische Theorie ist also für uns erledigt«.

Einerseits das Zugeständnis, von anerkannter fachmännischer Seite, daß die Logik meiner geozentrischen Feststellung »unantastbar« sei – man hat der Logik der kopernikanischen Prämisse bekanntlich noch niemals Unantastbarkeit nachsagen können! –, andrerseits dann sogar die unbedingte Zustimmung, daß meine Prämisse selbst wirklich hypothesenfrei sei: das bedeutet sicherlich einen hochwichtigen Schritt, den die geozentrische Weltanschauung vorwärts getan hat! – Denn hat man den hypothesenfreien, auf axiomatischer Grundlage beruhenden Charakter meiner Prämisse erst einmal zugestehen müssen, so ist damit ein anderes ausgeschlossen, als daß die geozentrische Tatsache als endgültige und absolut exakte Anschauung in Kraft tritt! – Von welcher Tragweite das aber für den endgültigen Ausbau der Wissenschaft, ja für unsere ganze Kultur ist, das will diese vorliegende Arbeit, wenn auch vorerst nur in knappen Umrissen, aussprechen.

Weimar, Juni 1911.

Johannes Schlaf