Ist aber eine wesentlich neue Religionsform über die christliche hinaus nicht mehr möglich und denkbar, so wird allerdings nur noch eins übrig bleiben: nämlich der letzte Ausbau der christlichen Religionsform!
Wie aber wird er sich einzig vollziehen können?
Durch Anwendung der Ausmachungen über die religiöse Grundtatsache, die wir hier geboten haben!
Nach deren endgültigem und exaktem Maßgabe aber bleibt vor allem die Tatsache bestehen, daß Christus »Gottes Sohn« und Gott selbst »ins Fleisch geboren«, d. h. als menschlich organisches Individuum ist. (Was der »Monismus« von heute nicht mehr Wort haben wollte!). Ferner bleibt die Heiligkeit und Göttlichkeit seiner nächsten Elite bestehen. (Apostel und eine gewisse Anzahl von männlichen und weiblichen Märtyrern und sonstigen seitherigen großen Auswirkern christlicher Religiosität.) Auch die Vorstellung des Erlösungs- und Heilandswerkes bleibt bestehen. Denn Christus erlöste die Menschheit insofern, als er sie vollendete und einte, und damit im Prinzip den unsäglichen menschlichen Bruderzwisten der Historie ein Ende setzte.
Freilich aber wird verschiedenes aus dem Apostolikum ausgeschieden werden müssen, was veraltete ethnische Vorstellungsform ist. Doch nicht die Form einer Kirche selbst! Diese noch nicht! Da sie sich durchaus bedingt durch die sonstige staatliche Form der Sozietät, die zwar in Zukunft mehr und mehr ihre schroffen nationalen Gegensätze verlieren, als solche aber noch lange nicht aufhören wird.
Das alles schließt ein, daß zunächst die katholische Form, in ihren Hauptdogmen endgültig gekräftigt, ihre Bestätigung empfängt. Es ist eigentlich ihr Vorteil, daß sie die Göttlichkeit des Christus und der Heiligen am konsequentesten festgehalten hat. – Man mißverstehe mich aber nicht: ich habe durchaus keine Restituierung eines eigentlichen Heiligenkultus nun auch für den Protestantismus im Sinn! Überhaupt wird sicherlich ein Kult im antiken, ethnischen Sinne immer mehr in Wegfall kommen. Er wird durch eine gemeinsame religiöse Andacht und Versenkung ersetzt werden, die ja eigentlich nichts anderes sein kann als eine Selbstversenkung des weiteren organisch sozietären Bestandes des motorischen Individuums in dieses selbst (Verhältnis der Gemeinde zu Christus, ihrem Haupt) und damit in das absolute Individuum, in Gott, aus welcher Versenkung je und je und nach wie vor alle sozietäre Bestätigung und Kraft sich ergeben muß.
Obgleich nun aber die katholische Kirche die religiöse Grundtatsache am treusten festgehalten hat, und der Protestantismus ihr gegenüber nachgerade fast bis zum Unmöglichen lau geworden ist – so bleibt der Katholizismus dennoch eine überwundene Form der christlichen Religion. Und zwar wegen ihrer allzuvielen ethnischen Bestandteile.