Ich beuge mich zu einem mächtigen Block nieder, der schwarzbraun im Licht mitten im Raum steht. Sein ehemaliger grausiger Zweck ist mir sofort klar.

Aber wie ich wieder aufblicke, fahr’ ich zusammen. — Drüben, in der Ecke, in deren Dunkel ein müder Schein kaum hineindringt, seh ich etwas wie eine gedrungene unförmliche Gestalt, der ein Durcheinander wimmelnder Staubatome grausig so etwas wie eine Bewegung giebt.

Ich fasse mich und trete hinzu.

Die „eiserne Jungfrau“... Jenes scheußlichste aller Marterwerkzeuge; jene plumpe Gestalt einer Weibsperson aus Eisen. An der Seite kann sie geöffnet und aufgeklappt werden; dann finden sich im koncaven Vorderteil lange, großen Nägeln ähnliche Zapfen, die, wenn wieder zugeschlagen wird, dem hineingezwängten Delinquenten durch Augen, Kopf, Herz und Leib dringen.

Und nun gewahr’ ich all das fürchterliche Gerät an den Wänden, unten auf dem Fußboden, gegen die Mauer gelehnt.

Da hängen mächtige harte Geißeln mit Bleikugeln oder zackigen Sternchen aus hartem Metall unten an den Stricken. Da sind Streckapparate, auf denen die Körper der armen Sünder in die Länge gereckt wurden. Da sind eingekerbte, mit stumpfen Spitzen versehene Schraubstöcke, in denen die Daumen zusammengequetscht wurden. Da sind härene Bande zum Zusammenschnüren der Glieder. Da sind die „spanischen Stiefel“. Da ist das „mecklenburgische Instrument“, vermittelst dessen man ein kreuzweises Zusammenpressen der Daumen und großen Zehen ermöglichte. Da sind Bänke und Leitern. Da sind Stricke mit Apparaten, in welche die Hände eingeschraubt wurden. Der Körper hing dann in seiner Schwere von der Decke hernieder, während unten an den Füßen noch jene großen Eisengewichte befestigt wurden, die ich dort in einer Ecke gewahre. Da sind Beile und Zangen und Pfriemen zum Brennen der Gesichter, Weichen und Arme, zum Blenden der Augen. Da ist die „pommersche Mütze“, mit der in einer sehr gefährlichen Weise der Kopf zusammengepreßt wurde. Da ist der „gespickte Hase“...

Und nun seh’ ich auch erst so recht alle die dunklen braunmodrigen Flecke auf dem Estrich, zwischen Staub, Deckenschutt und Vogelkot.

Ich meine, es müsse vertrocknetes Blut sein.

Genug!...