Herbstblumen.

Die letzten schönen Herbsttage sind im Land. Wie bin ich beglückt, sie in dieser schönen Weltabgeschiedenheit verbringen zu dürfen! —

So gegen Mittag hin, wenn die Sonne fast im Zenith steht, nehm’ ich ein Buch unter den Arm, schreite zwischen dem behaglich gackernden Hühnervolk hin über den kleinen Hof und steige die sechs rissigen Kalksteinstufen neben der Scheune in die Höhe, die zu der kleinen Holzgatterthür hinaufführen, durch die ich in den Hausgarten gelange.

Etwa ein Morgen Land hinter der Scheune. Zur Hälfte Gras- und Obstgarten, zur anderen Hälfte Gemüse- und Blumengarten. Eine dichte Rotdornhecke grenzt den Garten gegen das freie Hügelland ab hinter dem Haus. Die graugelbe Lehmwand der Scheune ist fast gänzlich von Weinlaub überwuchert. Die Fülle der gelblich-grünen und blauen Weintrauben lugt daraus hervor.

Mit einer milden Helle schimmert das Licht auf dem Gras, auf dem gelbenden Laub, auf dem letzten Blumenflor des Jahres. Eine köstlich linde Wärme. Und kein Lüftchen regt sich. Man hört nur die Laute des Geflügels vorn vom Hof her, oder den dumpfen Fall eines Apfels, einer Birne, einer Pflaume in das Gras. Oder das Rucken, Gurren und Flügelklatschen der Tauben auf dem Scheunendach.

Mein Lieblingsplatz ist die Pfeifenkrautlaube hinten im Gemüsegarten, denn da kann sich mein Auge so recht an den vielen Blumen erfreuen. Grüngestrichene Lattenbänke stehen um einen Baumstumpf herum, auf dem ein ausrangierter Mühlstein befestigt ist. Das ist der Tisch. Durch das dichte Gewirr der breiten Blätter dringen die feinen Sonnenstrahlen.

Man läßt sich nieder und in den vielen Pausen zwischen seiner Lektüre blickt man vor sich hin in den Garten...