Er gedenkt der Hochzeit zu Kana, wo er fröhlich war mit den Fröhlichen, und wo er so weise des Kelleramtes gewartet. Er sieht die Gäste wieder in ihrer trunkenen Weinseligkeit und hört ihre Hochzeitslieder.

Er wandert durch die lachenden Auen um den See Tiberias. Er sieht die Wogen ihres goldenen Segens und hört die Schnitter singen auf den Feldern und die Liebenden in den traubenschweren Weinbergen und den Olivengärten. Er sieht das Rosenwunder von Jericho. Er sieht die vertrauten Gestalten derer, die ihm teuer sind, sieht das Genügen stillen Lebens im sichren Gang geordneter Tage. — Und er erwägt die Unrast des Geistes, die ihn treibt, das rauhe Los derer, die der Vater erkoren.

„Die Vögel unter dem Himmel haben ihre Nester, und die Tiere des Feldes ihre Schlupflöcher, aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlege!“


Gott ist die Liebe...

Ein Herr des Friedens und der Liebe wollte er sein. Aber erregt er nicht dennoch Gewalt wider Gewalt? Vor seiner Seele eröffnen sich die Leiden der Seinen. Er sieht ihre tausendfachen Martern und Peinigungen. Tausende und Abertausende werden ihr Blut verströmen um seines Wortes willen. Und sein Wort vom Frieden und von der Liebe des Vaters wird Gewalt werden weltlicher Macht und wird die Völker durcheinander wirbeln im Wirrsal endloser Kämpfe.

O Qual der Qualen! Nie erhellte Nacht wütender, rasender Zweifel! Tiefgeheimste dunkle Not und Notwendigkeit ewiger Unruhe! O tiefstes Geheimnis seines tiefsten Wissens! Ewig heulender Wahnsinn urewiger Weltenunrast!

O Herr! — Licht! — Wer jemals hätte Deinen Sinn erkannt, oder wer wäre Dein Ratgeber gewesen! — Nicht wie ich will, Dein Wille geschehe! —

Und sein Hirn taumelt hin vor dem Gedanken des Ewigen.