Ich öffne die Hausthür. Die Flurschelle bimmelt. Nun bin ich draußen...


Es ist ein wundersamer Herbstabend.

So klar ist der Himmel, daß alle Sterne strahlen. Das Gewimmel der Milchstraße zieht sich breit hindurch. Unten, am Fuße des Hügels, seh’ ich aus der Dämmerung die Masse der Häuser zwischen dem Laub der Gärten, sehe die roten Fenster und die träumerischen Firste, hohe und niedrige, mit den stillen Reflexen der Sternlichter, und ich höre dies verwehte Gekläff der Hofhunde. Eine Frische weht von dem Bergland herüber. Am Ende unsrer Häuserreihe hier oben schimmert es mit seinen runden Linien bleich, ungewiß unter der herrlich entfalteten Pracht des Sterngewimmels.

Es treibt mich an den Häuserchen entlang. Dicht streif’ ich an der traulichen Helle ihrer Fensterchen hin, vorbei an dem matten Schimmer ihrer hellbunten Tünche. Wie eine Vision empfind’ ich diese Eindrücke, wie ich gleichsam mitten in all diesen Gedanken und Halbgedanken hingehe, halb getragen von dem Rhythmus ihres seltsamen Lebens.

Ich bin über das letzte Häuschen hinaus. Das Stacket seines Hofes springt weit ins Einsame des Höhenlandes hinein. Und nun schreite ich vorwärts auf dem Saum der Höhe in die Nachtfreiheit hinaus, tauche hinein in diese Einsamkeit, in der es nichts giebt als diese endlos gewölbte Himmelspracht und unter ihr diese erstarrten Wellen des Geländes mit seinem kurzen schimmernden Rasen, der den Schall meiner Schritte dämpft wie Filz, nichts als diesen jungen dunklen Fichtenwald, und jene Anhöhe, die als höchster Gipfel rings Berg und Thal beherrscht, und der ich zustrebe, diese Einsamkeit, in der kein Laut hörbar ist, als das Winseln und Pfeifen des nächtlichen Herbstwindes mit seiner herben Frische, oder der ferne Ruf eines Käuzchen...


Durch das Rauschen der Fichtenwaldung bin ich hindurchgeschritten und finde mich nun wieder im Freien. Über Kalksteingeröll steig ich die weite Fläche hin dem Gipfel der Höhe entgegen; eine runde kahle Erhebung, überwachsen von diesem spärlichen filzigen Graswuchs mit seinen kleinen Wolfsmilchstauden, seinen wilden weißen und roten Nelken, seinem gelben Steinklee und seinem hochzackigen Distelgestrüpp. — Eine Art dieser Disteln hängen sie da unten an den Querbalken ihrer kleinen Stuben als ein Schutzmittel gegen die Fliegen. —