Auch wir, die wir uns nicht schämen, „Siebenten-Tags-Adventisten“ zu heißen, üben die Taufpraxis durch Untertauchung aus. Zu Hunderten senden wir unsere Missionare in alle Länder aus, um das Evangelium vom Reich, den vollen Ratschluß unseres Gottes, zu allen Sprachen, Zungen und Völkern bis zu den Enden der Erde zu tragen. Nicht nur in Deutschland allein, sondern in Nord-, Süd- und Mittelamerika, im fernen Australien, auf den Inseln des Stillen Ozeans, in Persien, in Syrien, im kalten Sibirien und Kleinasien, ebenso im Innern von China, in Korea, in Japan und Indien, ja selbst im Herzen von Afrika stehen unsere Missionare und verkünden die Heilsbotschaft von dem rettenden Sünderheiland, ihnen zu sagen, daß auch sie „alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ haben, um gerettet zu werden. Tausende und Abertausende werden zu Gott, ihrem Heilande, bekehrt und lassen sich darauf willig in den Wasserfluten durch die Taufe begraben, als Zeichen, daß sie von nun an dieser Welt abgestorben sind und allein für Gott in einem neuen, ihm völlig geweihten und geheiligten Leben wandeln wollen.
Eine Taufszene in Afrika.
Wir sind nun das Altertum, Mittelalter sowie die neuere Zeit bis auf die Gegenwart durchgegangen. Durch die Verhandlungen der Konzilien und Rituale waren wir imstande, unumstößliche Beweise zu erbringen, daß dreizehnhundert Jahre lang die Taufe fast durchweg auf die ursprüngliche Weise, d. h. durch Untertauchung verrichtet worden ist; ja selbst nach dem 13. Jahrh. lassen sich trotz der allgemeinen Einführung der Besprengung bis auf den heutigen Tag ununterbrochene Spuren nachweisen, daß es ganze Kirchen und verschiedene Gemeinschaften gab, die die Taufe nach Christi Gebot zur Ausführung brachten.
Die dreimalige Untertauchung.
Der Taufritus war im Zeitalter der Apostel höchst einfach, jedoch eine feierliche und bedeutsame Handlung. Der Täufling wurde zum Wasser geführt und dort auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes getauft, und zwar durch einmaliges Untertauchen. Man findet dabei kein starres System von unzähligen gedankenlosen Zeremonien. Man liest nichts von Mysterien, da ist keine Spur von einer sogenannten unmittelbaren „magischen Wirkung“ bei der Taufhandlung. Bei den Aposteln ging alles schlicht und natürlich vor sich. Daß in der ersten Christengemeinde nur eine einmalige Untertauchung stattfand, geht schon daraus hervor, daß die jüdische Proselytentaufe sowie die Johannestaufe nur diesen Ritus kennen. Paulus kennt durchaus keine dreimalige Untertauchung. Wäre ihm jene schon bekannt gewesen, so hätte er nie die Taufe mit Christi Tod und Auferstehung verglichen; denn Christus wurde nur einmal begraben und ist nur einmal auferstanden. Auf diese Tatsache sich stützend, schreibt Paulus: „So wir aber samt ihm [Christo] gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch seiner Auferstehung gleich sein.“[151] Daß „gepflanzt werden“ mit Christo bezieht sich auf die Art und Weise der Taufe und ist so zu vollziehen, daß sie mit dem Begräbnis und der Auferstehung Jesu identisch ist. Dies kann aber nur durch ein einmaliges Untertauchen geschehen, vollzieht man sie aber auf eine andere Weise, so ist es eine Handlung, für die man im N. Testament auch nicht die geringste Andeutung vorfindet. Dies zeigt uns auch aufs klarste Eph. 4, 5, wo der Apostel behauptet, daß es nur „einen Herrn, einen Glauben und eine Taufe“ (Untertauchung) gebe. Prof. Drews kann es ebenfalls nicht einsehen, wie man dazu kommen kann, die dreifache Untertauchung als schon in der Urkirche bestandenen Gebrauch zu erklären. „Aus welchem Grunde“, schreibt er, „man von dem dreimaligen Untertauchen, wenn es allgemein christlich von Anfang an gewesen wäre, hätte abgehen sollen, ist nicht einzusehen.“[152]
Trotzdem sich die Bibel in diesem Punkt so klar ausdrückt, gibt es doch kirchliche Gemeinschaften, die die dreimalige Untertauchung angenommen haben und die behaupten, daß drei Untertauchungen nötig seien, um das Gebot, im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes zu taufen, im vollen Sinne zu erfüllen, d. h. für jede Person der Gottheit eine Taufe oder Untertauchung vorzunehmen. In neuerer Zeit hat dies besonders der vor einem Jahrzehnt verstorbene John Alexander Dowie in Amerika zu behaupten gesucht und an seinen Anhängern auf diese Weise in Anwendung gebracht.[153] Er ist, wie bekannt sein dürfte, der Begründer der Sekte, die heute in Deutschland unter dem Namen „Zionisten“ bekannt ist. Auch die sogenannten Tunker (ihr Name wird von tunken, tauchen abgeleitet), eine christliche Gemeinschaft in Nordamerika, die aber auf deutschem Boden entstanden, und nach Pastor H. Mallet eine Abzweigung des deutsch-niederländischen oder mennonitischen Baptismus ist, welche im Jahre 1720 nach Pennsylvanien auswanderten, üben die Taufe „durch dreimalige Untertauchung des knienden Täuflings aus“.[154] Die Tunker selbst erklären in ihrer „Platform“ von 1881, auch daran festhalten zu wollen, daß „das Taufen von bußfertigen Gläubigen durch dreimaliges Untertauchen, indem beide, der Verwaltende und der Taufkandidat, in den Fluß gehen, mit Handauflegen und Gebet im Wasser“ zu vollziehen sei.[155]
Um die Richtigkeit ihrer Ansicht zu beweisen, weisen uns die Verteidiger der dreimaligen Untertauchung auf die griechische Kirche hin, die das dreimalige Untertauchen ausübt. Die Griechen müssen im Recht sein, sagt man, da sie doch ihre eigene Sprache am besten verstehen. Wir fragen aber, wo findet sich im griechischen N. Testament eine Erwähnung einer dreifachen Untertauchung vor? Nirgends lesen wir davon. Da ist nur ein Gebot, sich nach vorausgegangener Sinnesänderung taufen zu lassen, und die Griechen lassen sich in Befolgung dieses Gebotes taufen durch Untertauchen. Soweit können wir der Kenntnis ihrer Sprache völliges Vertrauen entgegenbringen. Aber das Griechische sagt auch in Eph. 4, 5: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (hen baptisma), d. h. eine Untertauchung. Wenn nun die griechische Kirche von dieser klaren Vorschrift abgeht und dafür das dreifache Taufen ausübt, dann geht sie vom Text ihrer eigenen Sprache ab, und hier brauchen wir ihr durchaus nicht zu folgen. Es ist sicherlich ein großer Unterschied zwischen dem „Gebrauch“ und dem „Mißbrauch“ einer Sprache. Wir legen keinen Wert auf die Gewohnheit einer Gemeinschaft oder Kirche, und mag sie noch so alt sein, ausgenommen sie ist in Übereinstimmung mit den bestimmten Vorschriften der hl. Schrift.