Ein römisches Privathaus mit einem Badebassin im Hof.

Überschauen wir nun noch einmal das ganze Beweismaterial, welches zugunsten der Besprengung angeführt wird, so gelangen wir zu der Überzeugung, daß keines der angeführten Beispiele als Beweis für die Form der Taufe durch Besprengung oder Begießung dienen kann, sondern daß es nur schwache Rohrstäbchen sind, auf die man baut, um ja nicht seine „Lieblingsdogmen“ und eigenen Ideen opfern zu müssen.

Als letzten biblischen Beweis für die Besprengung zieht man 1. Kor. 10, 2 an — als letztes schwaches Rohrstäbchen, an das man sich verzweifelnd als den Hoffnungsanker zu klammern sucht. Hier wird die Idee verteidigt, daß die Israeliten durch die Wolke über ihnen und durch das Meer „besprengt“ wurden und daß dies beweise, daß besprengen gleichbedeutend sei mit taufen. Die Sprache sowie die Tatsache lassen eine solche Zusammenstellung gar nicht zu, denn wir lesen nicht: besprengt mit der Wolke und mit dem Meer, sondern: „getauft in der Wolke und in dem Meere“.[194] Auch war die Wolke, mit der die Israeliten bedeckt waren, keine Regenwolke, noch finden wir irgend einen Anhaltspunkt dafür, daß die Kinder Israel durch die Wasser des Meeres besprengt wurden, denn es heißt, daß sie mitten im Meer auf dem „Trockenen“ gingen.[195] Die Tatsache ist einfach die: Als Mose seinen Stab ausstreckte, teilte sich das Wasser und türmte sich auf beiden Seiten wie eine Mauer auf und bildete auf diese Weise ein tiefes Grab, über ihnen die Wolke, mit der sie bedeckt wurden. Der Psalmist sagt: „Er breitete eine Wolke aus zur Decke und ein Feuer, des Nachts zu leuchten.“[196] Auf diese Weise waren die Israeliten im Meer und in der Wolke gänzlich begraben, welches den vollen Sinn von Taufen, d. h. Untertauchen gibt. Wie man nun ein solches Bild zugunsten der Besprengung verwendet, ist unverständlich und vor allem unberechtigt.

Gataker gibt folgende der Tatsache entsprechende Erklärung zu 1. Kor. 10, 2: „Wie in dem christlichen Ritus die zu taufenden Personen von dem Wasser überflutet und gleichsam darin begraben werden, — und wiederum, wenn sie herauskommen, wie aus einem Grabe heraufsteigen, so konnte es scheinen, daß die Israeliten, als sie durch das Wasser des Meeres gingen, welches höher denn ihre Häupter war, von demselben überflutet und gleichsam darin begraben waren; und wiederum, daß sie auftauchten und erstanden als sie das andere Ufer erstiegen.“[197] Ebenso J. G. P. Schmid: „Die Israeliten wurden bei ihrem wundervollen Durchgang durchs Rote Meer von der sie begleitenden Wolke und dem auf beiden Seiten aufgelaufenen Meer bedeckt wie der Täufling beim Untertauchen. So wurden sie durch jene auffallenden Zeichen auf Mose getauft oder zur Folgsamkeit gegen ihn, als einen göttlichen Gesandten, verpflichtet.“[198]

Israels Durchgang durchs Rote Meer.

Wenn Besprengung oder Begießung vorzuziehen wäre, wie man immer behauptet, warum haben dann Jesus und die Apostel, wenn sie von dieser bedeutsamen Handlung sprachen, nicht ein Wort gebraucht, welches den Sinn von Besprengen oder Begießen hatte? Oder, wenn Jesus und die Jünger der Art der Handlung einen so großen Spielraum geben wollten, d. h. daß es ganz gleichgültig wäre, in welcher Art und Weise man die Taufe vollziehe, so fragen wir wiederum, warum gebrauchten sie dann nicht die verschiedenen Wörter, welche in Wahrheit „Sprengen“, „Tauchen“ und „Schütten“ bedeuten? Die Schreiber des N. Testaments erwähnen den Ritus der Taufe fünfundsiebenzigmal, und jedesmal gebrauchen sie das Wort „baptizein“, welches nur die spezielle Bedeutung von Untertauchen hat.[199] Fünfzehnmal wird Johannes als der „Baptistés“ (Täufer) bezeichnet, weil er diese Handlung an den bußfertigen Seelen ausführte.[200] Trotzdem sie so oft auf die Taufhandlung hinweisen, gebrauchen sie nie eine Bezeichnung für dieselbe, die uns den Sinn von Besprengen (rhantizein) oder Übergießen gibt. Die Wahrheit ist also die, daß die Lehrer der Urkirche in keiner andern Weise die Taufe vollzogen als durch Untertauchen, und wer es ihnen doch andichten will, der wisse, daß die Apostel solche Weise nicht hatten und die Gemeinde Gottes auch nicht.[201]

Ursprung der Begießung und Besprengung.

Je mehr die Kirche sich ihres weltgeschichtlichen Berufs und ihrer weltbeherrschenden Macht bewußt wurde, desto mehr wich sie von den klaren Verordnungen der Schrift ab und änderte dieselben in anbequemender Weise um, da viele der Meinung waren, daß sie dem begonnenen Siegeslauf der Kirche hinderlich wären. Diese Meinung hegte man besonders in Afrika. Afrika war schon zu Tertullians Zeit, besonders aber später, ein wahres Treibhaus für allerlei abergläubische und unbiblische Neuerungen. Wie die dreifache Untertauchung, so hat auch die Besprengung und Begießung Nordafrika als Heimat. Das göttliche Original wurde in frevelnder Weise beiseite geschoben, um den eigenen menschlichen Erfindungen Platz zu verschaffen. Wir haben aus Tertullians Schriften bereits nachgewiesen, daß Tertullian selbst die Taufe durch Untertauchung vollzog und daß diese Weise in seinen Tagen als allgemeine Regel galt. Doch erwähnt Tertullian bei der Gelegenheit einer Disputation über die Frage, ob die Jünger mit der Taufe des Johannes getauft waren oder mit einer anderen, die Besprengung und Begießung. Er sagt: „Andere hingegen machen, allerdings gezwungen genug, geltend, als die Apostel im Schifflein von den Wellen bespritzt und überschüttet wurden, so habe dies bei ihnen die Stelle der Taufe vollständig vertreten, und Petrus namentlich sei, als er über dem Meer einherwandelte, genügsam eingetaucht worden.“[202] Durch diese Äußerung will man behaupten, daß die Besprengung schon zur Zeit Tertullians im Gebrauch war. Dies kann aber der Bemerkung Tertullians auf keinen Fall entnommen werden, sondern nur soviel, daß die „Besprengung“ als genügend erachtet wurde, um die Taufe zu ersetzen. Tertullian ist aber dieser Ansicht entgegen, indem er erklärt: „Aber ich meine, etwas anderes ist es, durch die Heftigkeit und Gewalt des Meeres durchnäßt oder hinweggerissen zu werden, und etwas anderes ist eine in Untertauchung bestehende Religionshandlung.“[203] Es verhält sich mit der Frage der Besprengung in den Tagen Tertullians ebenso wie mit der Kindertaufe. Man hat beides in Erwähnung gebracht, aber nie in der Praxis ausgeübt. Für diese unsere Behauptung haben wir genügenden geschichtlichen Beweisgrund, auf den wir uns stützen können.