2. Das Bestreichen mit Speichel
erfolgte nach dem Exorcismus, und nach Luthers Angabe wurden die Ohren und die Nase damit bedacht.[233] Die orientalische sowie auch die protestantische Kirche hat diese merkwürdige Sitte nicht angenommen.[234]
3. Die Bekreuzung.
Wie man im N. Testament von einer Teufelsbeschwörung nichts vorfindet, ebenso findet sich auch nicht die geringste Andeutung von dem Gebrauch der Bekreuzung vor. Es ist dies ebenfalls eine menschliche Einrichtung nach Ablauf der apostolischen Zeit. Die Kreuzbezeichnung des Täuflings geschah vor der Taufe gleich in unmittelbarer Verbindung des Bestreichens mit Speichel.[235] „Der Täufer bediente sich der Formel: „Nimm an das Zeichen des heiligen Kreuzes, beides, an Stirn und Brust.“[236] Dr. Augusti führt noch aus: „Bekanntlich schrieben die Alten dem Kreuzeszeichen eine außerordentliche Kraft und Wirkung zu. Man darf sich daher nicht wundern, wenn der feierlichen Kreuzbezeichnung bei der Taufe eine magische Kraft beigelegt wurde.“[237] Nach Dionysius soll die Salbung und Kreuzbezeichnung eine dreifache sein.[238] „In den alten Taufritualien der lateinischen Kirche findet man die einmalige Bezeichnung in Verbindung mit einem dreimaligen Anhauchen. Die evangelische Kirche hat zwar die Ölsalbung abgeschafft, aber dennoch die Kreuzbezeichnung beibehalten.“[239]
4. Die Salbung.
Nach der Kreuzbezeichnung folgte als weitere, die Taufe vorbereitende Handlung die Salbung (oleum), zu unterscheiden von der Salbung nach der Taufe.[240] Nach Cyrill von Jerusalem wurde diese Salbung im Taufhause gleich nach der Entkleidung vollzogen, und zwar am ganzen Körper.[241]
5. Die Weihung des Taufwassers.
Nach der Salbung ging der Priester oder auch der Bischof daran, das Taufwasser zu weihen. Das erste Beispiel davon findet sich bei Tertullian. „Tertullian fing unstreitig an,“ schreibt Münter, „mit der Lehre von der Taufe Aberglauben zu verbinden; denn er war der erste, der dem Wasser eine physische Kraft zuschreibt.“[242] Tertullian äußert sich darüber wie folgt: „Jedes Wasser erlangt vermöge der alten Prärogative seines Ursprungs die geheimnisvolle Wirkung der Heiligung durch die Anrufung Gottes. Denn es kommt sofort der Geist vom Himmel darüber herab und ist über den Wassern, heiligt sie aus sich selbst, und so geheiligt saugen sie die Kraft des Heiligmachens in sich ein. Also wird, nachdem die Gewässer durch Dazwischenkunft des Engels gewissermaßen mit Heilkräften versehen wurden, auch der Geist im Wasser leiblich abgewaschen und das Fleisch ebendaselbst geistig gereinigt.“[243] Nach Dionysius’ Angabe ging die Weihung in folgender Art vor sich: „Während der Priester die Salbung vollendet, geht der Bischof zur Mutter der Gotteskindschaft (denn so nennt er das Taufbassin), heiligt ihr Wasser durch heilige Anrufungen und vollendet es, indem er das heiligste Öl dreimal in Kreuzesform eingießt, er damit zugleich das Zeichen des Kreuzes macht.“[244] Cyprian erklärt, daß das Wasser erst durch den Priester gereinigt und geheiligt werden muß, auf daß es die Macht habe, die Sünden der Menschen wegzuwaschen. Auch Basilius erwähnt diesen Brauch, doch zeigt er dabei, daß derselbe nicht auf Verordnung der hl. Schrift beruhe, sondern in der mündlichen Überliefernng seinen Grund habe.[245]