Dr. Freybe sagt: „Auf die Salbung folgte als weitere, die Taufe vorbereitende Handlung das Reiben mit Salz.“[246] In der protest. kurbrandenburg. Kirchenordnung wie auch in der Ottheinrichs heißt es: „Hier nehme der Priester das Kind und lege ihm Salz in den Mund und spreche: Nimm hin das Salz der Weisheit, die dich fördere zum ewigen Leben. Amen.“[247] Nach Dr. Augusti hat man für den Gebrauch des Salzes bis jetzt kein älteres Zeugnis als die Stelle in Augustin.[248] Die evangelische Kirche hat mit Recht auch diese Sitte fallen lassen.

Nachdem all diese gedankenlosen und fast durchweg mit Aberglauben verbundenen Gebräuche an dem Täufling zur Anwendung gekommen waren, wurde an ihm die Taufe durch dreimaliges Untertauchen vollzogen.

7. Die Salbung

mit geweihtem Öl schloß sich gleich an die Taufe an. Diese Sitte erwähnt schon Tertullian: „Aus dem Taufbade sodann herausgestiegen, werden wir gesalbt mit der gebenedeiten Salbung.“[249] „Die Salbung geschieht zuerst auf Brust und Rücken mit dem Spruche: zur Heilung des Körpers und der Seele; sodann an den Ohren mit dem Spruche: zum Gehorsam des Glaubens; hierauf an den Füßen mit den Worten: zur Beförderung deiner Schritte; endlich an den Händen mit dem Zurufe: deine Hände haben mich gemacht und gebildet.“[250] Nach Cyrill geschah diese Salbung an Stirn, Ohren, Nase und Brust.[251] Tertullian sowie auch Cyrill von Jerusalem gründen diese Salbung auf die „frühere Lehre, wonach man mit Öl aus dem Horn zum Priestertum gesalbt worden war“.[252] Wir müssen aber bei genauerer Untersuchung feststellen, daß die Salbung, wie sie im 3. und den nachfolgenden Jahrhunderten gehandhabt wurde, auch nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Priestersalbung hat. Luther zählt diesen Ritus mit Recht unter jene, die „von Menschen, um die Taufe zu zieren, hinzugetan sind“.[253]

8. Der dreimalige Umgang um das Taufbecken.

In der griechisch-russischen Kirche schließt sich der Salbung ein dreimaliger Umgang um das Taufbecken an. Den Vorgang dabei schildert Staerk mit folgenden Worten: „Ist die Salbung mit dem heiligen Myron vollendet, so schreitet der Priester mit dem Taufpaten und dem Täufling dreimal rings um das Taufbecken, während der Chor singt (griechischer und slawischer Ritus): Alle, die ihr auf Christum getauft seid, habt Christum angezogen. Alleluja. Der Umgang beginnt von der rechten Seite, d. h. von Westen nach Süden, indem der Priester und Pate Kerzen in der Hand tragen, um die Erleuchtung auf Christus, das wahre Licht, zurückzuführen.“[254]

9. Der Friedenskuß.

Jedem Neuaufgenommenen oder Getauften wurde der sogenannte Friedenskuß erteilt als Zeichen, daß er von nun an als Christ oder als Bruder im Herrn anerkannt sei. Gegen diese Sitte wäre auch durchaus nichts einzuwenden, denn wir glauben, daß dieselbe im N. Testament begründet ist und apostolische Praxis war,[255] doch nie können wir es glauben, daß dieser „Bruderkuß“ in der Urgemeinde so verabreicht wurde, wie es nach Einführung der Kindertaufe in den Tagen Cyprians geschah, nämlich — auf den Fuß des Täuflings.[256]

10. Die Anlegung einen weißen Kleides.