Unwissend. Ei, ich werde ebensogut hindurchkommen wie andre gute Menschen.

Christ. Aber was willst du an der Pforte vorzeigen, das dir Einlaß gewährt?

Unwissend. Ich kenne den Willen meines Herrn und habe ein rechtschaffenes Leben geführt; ich gebe einem jeden das Seine, ich bete, ich faste, ich erfülle alle meine Pflichten Gott und Menschen gegenüber, ich gebe Almosen und habe mein Vaterland verlassen, um das himmlische zu suchen.

Christ. Aber du bist ja nicht zur engen Pforte am Eingang dieses Weges hereingekommen, ein krummer Weg hat dich hierher geführt, und darum — du magst von dir halten, was du willst — fürchte ich sehr, du wirst von dem Richter eher für einen Dieb und Mörder erklärt als zur Pforte des Himmels eingelassen werden.

Unwissend. Meine Herren, ihr seid mir ganz fremd, ich kenne euch nicht. Folgt nur immerhin der Religion eures Landes, aber laßt mich auch der meinen folgen. Ich hoffe, alles wird noch gut werden. Was die Pforte betrifft, von der ihr redet, so weiß ja alle Welt, daß sie sehr weit von unsrer Landschaft abliegt, und niemand von uns ist der Weg dahin bekannt; allein dies ist auch nicht nötig, da wir, wie ihr seht, einen so angenehmen Fußsteig haben, der in kurzer Frist zur Straße führt.

Da Christ hörte, wie weise sich der junge Mann dünkte, sagte er leise zu Hoffnungsvoll: „An einem Narren ist mehr Hoffnung denn an ihm (Spr. 26, 12) und: Ob der Narr auch selbst närrisch ist in seinem Tun, so hält er doch jedermann für einen Narren (Pred. 10, 3). Was wollen wir mehr tun? Sollen wir weiter mit ihm sprechen oder für jetzt vorausgehen und ihn über das nachdenken lassen, was er bereits gehört hat? Wir können uns ja zuweilen nach ihm umsehen und ihm vielleicht noch nützlich werden.“

Hoffnungsvoll sprach:

„Wie kann ein Blinder richtig gehen,

Wenn er dem Führer folget nicht?

Ach, möchte er die Wahrheit sehen