Christ. Solche, die mit dem Wort Gottes übereinstimmen.

Unwissend. Wann stimmen denn unsre Gedanken über uns selbst mit dem Wort Gottes überein?

Christ. Wenn wir dasselbe Urteil über uns fällen, welches Gottes Wort fällt. Um mich deutlicher auszudrücken, so sagt das Wort Gottes von den Menschen in ihrem natürlichen Zustand: „Da ist keiner, der gerecht sei, auch nicht einer; sie sind alle abgewichen und allesamt untüchtig geworden; da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer“ (Röm. 3, 10. 12) und: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf und immerdar“ (1. Mos. 6, 5; 8, 21). Wenn wir nun so von uns selber denken und das in uns selbst empfinden, dann sind es gute Gedanken, weil sie mit Gottes Wort im Einklang stehen.

Unwissend. Ich werde niemals glauben, daß mein Herz so böse sei. Ich habe ein gutes Herz.

Christ. So hast du eben in deinem Leben noch keine guten Gedanken über dich selbst gehabt. — Aber höre mich weiter: So wie das Wort Gottes unser Herz richtet, so richtet es auch unsern Wandel. Wenn nun die Gedanken unsers Herzens und unsre Wege mit diesem Urteil übereinstimmen, so sind beide gut.

Unwissend. Erkläre dich deutlicher!

Christ. Gottes Wort sagt von den Menschen, daß sie die rechte Bahn verlassen haben (Spr. 2, 13), den Weg des Friedens nicht wissen (Röm. 3, 17), ihren Weg verkehren (Spr. 2, 15) und auf ihre krummen Wege abweichen (Ps. 125, 5). Wenn nun ein Mensch mit tiefgebeugtem Herzen so von seinem Wandel denkt, dann hat er gute Gedanken darüber, weil sie mit dem göttlichen Wort übereinstimmen.

Unwissend. Was nennst du gute Gedanken in bezug auf Gott?

Christ. Ebenfalls diejenigen, die von Seinem Wesen und von Seinen Eigenschaften das denken, was Sein Wort davon zeugt, worüber ich mich jetzt nicht näher aussprechen möchte. Um aber noch Gottes Verhältnis zu uns zu erwähnen, so haben wir darin richtige Gedanken von Ihm, wenn wir daran denken, daß Er uns besser kennt, als wir uns selbst kennen, daß Er Sünde an uns bemerkt, die vor unsern Augen verborgen ist[138]; wenn wir uns ferner dessen bewußt, daß unsre heimlichsten Gedanken Ihm bekannt und vor Seinem Flammenauge die verborgensten Falten unsers Herzens bloß und aufgedeckt sind[139]; wenn wir weiter daran denken, daß unsre eigene Gerechtigkeit vor Ihm ein Greuel ist, und daß Er es nicht dulden kann, wenn wir auch nur das geringste Vertrauen auf unsre Werke setzen wollten.

Unwissend. Hältst du mich denn für einen solchen Tor, als ob ich nicht an Gottes Allwissenheit glaubte oder mich vor Gott auf meine guten Werke verlassen wollte?