Ich sah nun, daß Willig mittlerweile wieder zu Hause angelangt war und daß seine Nachbarn ihn bald besuchten. Einige nannten ihn einen verständigen Mann, weil er wieder umgekehrt sei; andre hießen ihn einen Toren, weil er sich mit Christ in Gefahr begeben habe; etliche aber spotteten seiner als über einen Feigling und sprachen: „Hätten wir wie du dieses Wagestück einmal unternommen, dann würden wir’s um einiger Schwierigkeiten willen wahrlich nicht so schnell aufgegeben haben.“ — So saß denn Willig ganz kleinlaut unter ihnen. Endlich aber faßte er sich doch wieder ein Herz, da ließen sie denn auch von ihm ab und fingen an, ihren Spott über den armen Christ loszulassen und sich hinter seinem Rücken über ihn lustig zu machen. Soviel, was Willig betrifft.

Als Christ nun einsam weiterwanderte, ward er in der Ferne jemand gewahr, der quer über das Feld schreitend auf ihn zukam. Sie trafen gerade da zusammen, als jeder des andern Weg überschreiten wollte. Es war ein Herr mit Namen Weltklug aus der Stadt Fleischesklugheit, einer sehr großen Stadt, nahe bei dem Ort gelegen, da Christ herkam. Dieser Mann, mit dem Christ zusammentraf, hatte bereits von ihm gehört. Christs Abreise aus der Stadt Verderben hatte nämlich in der ganzen Gegend Aufsehen erregt und war nicht nur in der Stadt, da er gewohnt, sondern auch in andern Orten zum Stadtgespräch geworden. Da Herr Weltklug in diesem schwer beladenen, tiefgebeugten Wanderer Christ zu erkennen glaubte, redete er ihn also an:

„Ei, wohin, mein Freund, mit dieser schweren Last?“

Christ. Ja, schwer ist sie, so schwer, als nur jemals ein armes Geschöpf eine getragen hat. Und weil du mich fragst: Wohin? so will ich dir sagen, daß ich nach der engen Pforte dort wandere, denn dort soll mir, wie ich belehrt bin, ein Weg gezeigt werden, auf dem ich meine schwere Bürde loswerde.

Weltklug. Hast du nicht Frau und Kinder?

Christ. Ja, ich bin aber mit dieser Bürde so beladen, daß ich jetzt die Freude, die ich früher an ihnen hatte, nicht mehr haben kann. Ich habe wohl Frau und Kinder, doch ist es mir, als hätte ich keine (1. Kor. 7, 29).

Weltklug. Willst du mir folgen, wenn ich dir einen Rat gebe?

Christ. Sehr gerne, wenn er gut ist! Denn guter Rat ist’s gerade, was ich nötig habe.

Weltklug. So will ich dir denn raten, daß du dich selbst von deiner Bürde sogleich losmachst; denn eher hast du keine Ruhe im Herzen, keine Freude über die Güter, mit denen Gott dich gesegnet hat.

Christ. Das ist es eben, was ich suche. Ich möchte dieser Bürde los sein, aber ich selbst vermag das nicht, und in der ganzen Gegend kann mich niemand davon erlösen, darum habe ich auch den Weg nach der engen Pforte eingeschlagen.