Da wurde Willig sehr aufgebracht und sagte in ärgerlichem Ton zu seinem Gefährten: „Ist dies die Glückseligkeit, von der du mir so viel vorgeredet hast? Haben wir am Anfang unsrer Reise schon so viel Unglück, was haben wir noch ferner zu erwarten, bis wir am Ende unsres Weges sind? Komme ich hier noch mit dem Leben davon, so magst du meinetwegen jenes schöne Land allein in Besitz nehmen.“ Und hiermit setzte er ein- oder zweimal alle Kraft ein und arbeitete sich so mit großer Mühe aus dem Schlamm heraus, und zwar an der Seite des Sumpfes, die seinem Hause am nächsten lag, und machte sich eiligst davon. Christ sah ihn nie wieder.

So lag nun Christ allein im Sumpf der Verzagtheit und wälzte sich hin und her. Er arbeitete mit aller Macht, aus dem Morast herauszukriechen, und zwar nach der Seite zu, die seinem Hause abgekehrt und der engen Pforte zunächst lag. Wegen der schweren Last auf seinem Rücken gelang es ihm jedoch nicht ganz, festen Boden zu gewinnen. Doch ich sah in meinem Traum, wie ein Mann namens Beistand zu ihm kam und ihn fragte, was er denn da mache.

„Herr,“ sagte Christ, „ein Mann namens Evangelist hieß mich diesen Weg gehen und wies mich nach der engen Pforte dort, um dem zukünftigen Zorn zu entrinnen; nun bin ich auf dem Weg dahin hier hereingefallen.“

Beistand. „Warum gabst du nicht acht auf die Fußtapfen[23]?“

Christ antwortete: „Mich überkam solche Furcht, daß ich den nächsten Weg einschlug, und so geriet ich in den Sumpf.“

„Nun, so gib mir deine Hand!“ sagte Beistand. Christ tat es, und er zog ihn heraus; danach stellte er ihn auf einen festen Grund und hieß ihn seines Weges weitergehen[24].

Ich selbst trat nun zu dem, der ihn herausgezogen, und sprach zu ihm: „Herr, weshalb wird wohl dieser Sumpf, der auf dem Weg von der Stadt Verderben zu jener Pforte liegt, nicht wegsam gemacht, damit die armen Reisenden um so sicherer dahin gelangen könnten?“

Er antwortete: „Dieser sumpfige Pfuhl ist ein Ort, der nie ausgeräumt werden kann, denn er ist der Abflußort, in welchen der Abschaum und Unflat, der durch die Erkenntnis der Sünde entsteht, beständig abfließt; darum heißt er auch der Sumpf der Verzagtheit. Denn wenn dem Sünder über seinen verlorenen Zustand die Augen aufgehen, so steigen in seiner Seele viel Furcht und viele Zweifel und allerlei beängstigende Sorgen auf. Die fließen nun alle an dieser Stelle zusammen. Und das ist die Ursache, weshalb dieser Boden so schlecht ist.

Es ist aber des Königs Wille nicht, daß dieser Ort so bleibe[25]. Seine Arbeiter sind auch unter Anleitung königlicher Feldmesser schon seit mehr als 1900 Jahren damit beschäftigt, um dies Stück Land wegsam zu machen. Ja, soviel ich weiß,“ sagte er, „sind hier wohl schon zum wenigsten 20000, ja Millionen Karren voll der besten Unterweisungen zu allen Zeiten und aus allen Orten des Königreiches herbeigeschafft und eingefüllt worden, um womöglich diese Stelle zu bessern. (Die Sachverständigen sagen nämlich, daß dies die besten Materialien seien, dem Ort einen guten Grund zu geben.) Allein er ist immer noch der Sumpf der Verzagtheit und wird es bleiben, wenn sie auch alles getan haben, was sie konnten.

Es sind zwar unter Anleitung des Gesetzgebers gute und sichere Fußtapfen sogar mitten durch den Pfuhl gelegt worden; aber um die Zeit, in der dieser Ort seinen Unflat und seine bösen Dünste am meisten aufsteigen läßt, was bei eintretendem Witterungswechsel zu geschehen pflegt, so sind diese Spuren kaum sichtbar. Und wenn sie auch wahrgenommen werden, so werden die Leute oft von Schwindel ergriffen und tun Fehltritte. Die Folge davon ist, daß sie sehr beschmutzt werden. Doch der Weg ist gut, wenn man einmal durch die enge Pforte eingegangen ist.“