Wie das Rauschen gewaltiger Ströme tönte jetzt der Jubelruf des himmlischen Heeres: „Selig sind, die zum Abendmahl des Lammes berufen sind!“ (Offenb. 19, 9.) Nun kamen ihnen auch einige von den Posaunenbläsern des Königs in blendend weißen Gewändern entgegen. Mit ihren hellen und melodischen Klängen erfüllten sie selbst die Himmel, daß es widerhallte. Diese begrüßten Christ und seinen Gefährten mit wohl tausendfachem Willkommen, und das taten sie mit Jauchzen und dem Schall der Posaunen.

Hierauf umringten sie die Begrüßten von allen Seiten, die einen gingen vor, die andern nach, etliche zur Rechten, etliche zur Linken, gleich als wenn es ihre Leibwache wäre bei ihrem Zug durch die obern Gegenden. Ununterbrochenes Jubeln und Jauchzen im höhern Chor begleitete alle ihre Schritte auf diesem Zug, so daß es jedem, der es mitansehen konnte, vorkam, als wenn der Himmel selbst zu ihrem Empfang herabgekommen sei. Indem sie nun vorwärtsgingen, gaben diese Posaunenbläser Christ und seinem Bruder in Blick und Gebärden, mit welchen sie ihre Musik begleiteten, zu erkennen, wie willkommen sie in ihrer Gesellschaft und mit welcher Freude sie selbst ihnen entgegengekommen seien.

Da ward es den beiden Pilgern zumute, als wären sie schon im Himmel, ehe sie noch dahin gelangten; also waren sie hingerissen von dem Anblick der Engel und den süßen Klängen ihrer Weisen.

Jetzt stand die Stadt vor ihren Augen, und es dünkte sie, als hörten sie drin das Geläute aller Glocken, sie zu bewillkommnen. Aber nichts entzückte sie mehr als der beseligende Gedanke, selbst dort in solcher Gesellschaft zu leben, und das in alle Ewigkeit. O welche Zunge, welche Feder vermag die überschwengliche Freude ihres Herzens auszudrücken!

Als sie nun die Pforte erreicht hatten, sahen sie darüber mit goldenen Buchstaben geschrieben: „Selig sind, die Seine Gebote halten, auf daß sie Macht haben an dem Holz des Lebens und zu den Toren eingehen in die Stadt“ (Offenb. 22, 14).

Nun sah ich in meinem Traum, daß die beiden Glänzenden sie an dem Tor rufen hießen. Als sie dies taten, erschienen einige Männer über der Zinne, nämlich Henoch, Mose, Elia u. a., zu denen die Engel sagten: „Diese Pilger kommen von der Stadt Verderben und haben ihre Pilgerschaft in der Liebe zum Herrn vollendet.“ Die Pilger überreichten ihnen zugleich die Zeugnisse, die sie am Anfang ihrer Reise empfangen hatten. Diese wurden dem König vorgelegt, und als Er sie gelesen, sprach Er: „Wo sind die Männer?“ „Sie stehen vor der Pforte,“ war die Antwort. Da befahl der König: „Tut die Tore auf, daß hereingehe das gerechte Volk, das den Glauben bewahrt!“ (Jes. 26, 2.)

Indem die Pilger nun eintraten, wurden sie verklärt und mit Kleidern angetan, die glänzten wie Gold. Selige Geister reichten ihnen Harfen zum Lobe Gottes und Kronen als Ehrenzeichen, während, wie ich im Traum hörte, unter dem Freudenklang aller Glocken die Bewohner der himmlischen Stadt ihnen entgegenriefen: „Gehet ein zu eures Herrn Freude!“ (Matth. 25, 23.) Überströmt von unendlicher Wonne stimmten nun auch die Pilger mit lauter Stimme in den Lobgesang ein und sprachen: „Dem, der auf dem Stuhl sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (Offenb. 5, 13.)

Ich schaute in meinem Traum durch die offenen Tore, während die Pilger durch dieselben eintraten, und siehe, die Stadt leuchtete wie die Sonne am Mittag; die Straßen waren von lauterm Gold, und auf denselben wandelten viele mit Kronen auf ihren Häuptern und Palmenzweigen in ihren Händen und goldenen Harfen zum Preise Gottes.

Und ich sah auch viele allda, die Flügel hatten, und sie riefen ohne Aufhören einander zu: „Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr!“ (Offenb. 4, 8), und die Pforte wurde geschlossen. — Als ich dies gesehen, da wünschte ich, auch selbst unter ihnen zu sein.

O wie blinken Zions Mauern, da sich endet alles Trauern