Weltklug. Gewiß! Dort in jener Stadt — sie heißt Sittsamkeit — wohnt ein Herr namens Gesetzlich, ein sehr erfahrener und berühmter Mann, der die Kunst besitzt, die Leute von solchen Bürden wie die deine zu befreien. Ich kann dir versichern, daß er auf diese Weise schon viel Gutes gestiftet hat; ja überhaupt hat er die Geschicklichkeit, auch die zu heilen, die durch ihre Last schon ein wenig im Kopf gelitten haben. Geh zu ihm, er wird dir schnell helfen. Sein Haus ist kaum ein Büchsenschuß weit von hier. Solltest du ihn selbst aber nicht zu Hause antreffen, so ist doch sein Sohn Höflich da, ein zuvorkommender junger Mann, ebenso geschickt wie der alte Herr selbst. Dort, sage ich dir, kannst du von deiner Last befreit werden. Und solltest du dann nicht gern in deinen Geburtsort zurückkehren, wozu ich dir allerdings auch nicht raten würde, so magst du deine Familie in diese Stadt kommen lassen, wo du um einen mäßigen Preis eines der leerstehenden Häuser kaufen kannst. Auch die Lebensmittel sind dort gut und wohlfeil, und was deinen Aufenthalt noch angenehmer gestalten wird, ist, daß du bei ehrbaren Nachbarn in gutem Ruf und Ansehen stehen wirst.

Christ dachte ob dieser Rede eine Weile nach, kam aber bald zu dem Entschluß: Wenn das wahr ist, was dieser Herr sagt, so tue ich am besten daran, seinem Rat zu folgen; so fragte er: „Und welcher Weg führt mich zu dieses trefflichen Mannes Haus?“

Weltklug. Siehst du dort jenen Berg[26]?

Christ. Jawohl, ganz gut!

Weltklug. Dahin mußt du deinen Weg nehmen; das erste Haus, zu dem du gelangst, ist das seine.

Christ kehrte sich nun von seinem Weg ab und begab sich nach dem Hause des Herrn Gesetzlich, daß ihm allda geholfen werden möchte. Aber je näher er dem Berg kam, desto höher erschien er ihm, ja gewaltige Felsen hingen so drohend über den Weg her, daß Christ, ihren Einsturz befürchtend, nicht weiterzugehen wagte. Seine Bürde erschien ihm jetzt drückender, als da er noch auf seinem ersten Wege war. Dazu brachen Feuerflammen aus dem Berg hervor[27], daß Christ bange war, er möchte davon verzehrt werden. Er zagte und bebte vor Furcht, und Reue stieg in ihm auf, Herrn Weltklugs Rat befolgt zu haben.

Als er nun so dastand, sah er den Evangelisten ihm entgegenkommen; bei dessen Anblick wurde er schamrot. Der Evangelist kam immer näher, sah ihn mit zorniger und ernster Miene an und begann also mit ihm zu reden:

„Was tust du hier, Christ?“ Zitternd stand Christ vor ihm, ohne ein Wort zu erwidern.

„Bist du nicht der Mann,“ fuhr der Evangelist fort, „den ich vor der der Stadt Verderben in Jammer stehend fand?“

Christ. Ja, Herr, ich bin es.