Christ erwartete nun nichts andres als den Tod und begann sehr kläglich zu jammern und verfluchte die Zeit, in der er sich mit Herrn Weltklug eingelassen hatte. Er nannte sich wohl tausendmal einen Narren, daß er auf seinen Rat achtgehabt. Er ward auch tief beschämt, wenn er bedachte, daß die Vorspiegelungen dieses Herrn Weltklug, eines ganz fleischlich gesinnten Menschen, eine solche Macht auf ihn ausüben konnten, ihn vom rechten Weg abzubringen. Lange wagte Christ nicht aufzublicken. Endlich fragte er:
„Herr, was meinst du, ist noch Hoffnung da für mich? Kann ich wohl wieder umkehren und auf die enge Pforte zugehen? Werde ich wohl um meines Fehltritts willen nun aufgegeben und dort mit Schanden abgewiesen werden? Ich bereue es tief, auf den Rat jenes Mannes gehört zu haben. Kann mir die Sünde noch vergeben werden?“
Der Evangelist antwortete: „Deine Missetat ist groß, denn du hast zwiefältig gesündigt: Du hast den guten Weg verlassen und den verbotenen betreten. Wohl wird dich der Mann an der engen Pforte aufnehmen, denn er ist den Menschen sehr geneigt. Hüte dich aber, weiche nicht wieder ab, damit du nicht umkommst auf dem Weg, denn Gottes Zorn wird bald entbrennen“ (Ps. 2, 12).
Der strenge Blick des Evangelisten hatte sich gemildert, und da Christ sich entschlossen zeigte, nach der engen Pforte zurückzuwandern, küßte er ihn und gab ihm seinen Segen.
Ohne Verweilen eilte Christ nun davon und redete mit niemand, der ihm begegnete, blieb auch nicht stehen, um jemand zu antworten. Er lief wie einer, der auf verbotenem Grund und Boden sich befindet, und fühlte sich solange unsicher, bis er wieder auf dem Weg war, den er auf Herrn Weltklugs Rat verlassen hatte.
Es gibt im Leben ein Herzeleid, das ist wie die weite Welt so weit,
Das ist wie Bergeslasten schwer, das ist so tief wie das tiefe Meer.
Das ist das tiefe Herzeleid, wenn um die Sünde die Seele schreit,
Wenn die Träne rinnt um der Sünde Last, wenn um die Sünde die Wang’
erblaßt.