Redlichkeit zwar nicht,“ sagte der alte Herr errötend, „sondern Redlich ist mein Name, und ich wünschte, daß mein Wesen mit diesem mir beigelegten Namen übereinstimmte. Aber, Herr, wie konntest du erraten, daß ich dieser Mann sei, bloß weil ich dir meine Vaterstadt nannte?“

Mutherz. Durch meinen Herrn habe ich schon von dir gehört, denn Er weiß alles, was auf Erden geschieht. Ich hätte es kaum je für möglich gehalten, daß jemand aus diesem Ort sich auf die Pilgerfahrt begeben würde; denn die Stadt Stumpfsinn übertrifft an Gottlosigkeit selbst die Hauptstadt Verderben.

Redlich. Ja, wir liegen noch weiter ab von der Sonne, und sind daher kälter und unempfindlicher. Aber wohnte einer gleich mitten in einem Eisberg, so müßte dennoch sein erstarrtes Herz auftauen, sobald die Sonne der Gerechtigkeit über ihm aufgeht. Und so ist es mir gegangen.

Mutherz. Ich glaub’s, Vater Redlich, ich glaub’s; denn ich weiß, daß dies wahr ist[199].

Der alte Herr wandte sich hierauf zu den Pilgern; er grüßte sie alle aufs herzlichste, fragte sie nach ihrem Namen und wie es ihnen bisher auf ihrer Pilgerreise ergangen sei.

„Ich denke,“ hob Christin an, „meinen Namen hast du schon nennen hören, denn der liebe Christ war mein Mann, und diese vier Knaben sind seine Kinder.“

Über dieser Mitteilung geriet der Alte fast außer sich vor Freude; er lachte und sprang und bewillkommte sie mit tausend Segenswünschen. „Ja,“ sprach er, „von deinem Mann habe ich vieles gehört, von seiner Reise und seinen Kämpfen, die er bei seinen Lebzeiten erduldet. Ich kann dir versichern, der Name deines Mannes hat überall einen guten Klang; sein Glaube, sein Mut, seine Beharrlichkeit und seine Treue haben ihn berühmt gemacht.“

Nachdem er nun die Namen der Knaben erfahren, sprach er zu ihnen: „Matthäus, werde du Matthäus, dem Zöllner, gleich, nicht in der Sünde, sondern in der Nachfolge! (Matth. 9, 9.) Samuel, sei du gleich dem Propheten Samuel, der ein Mann des Glaubens und des Gebets war! (1. Sam. 7, 8. 9.) Joseph, sei du keusch wie Joseph in des Potiphars Haus und fliehe die Versuchung! (1. Mos. 39.) Und du, Jakob, tritt in die Fußstapfen des Jakobus, des Gerechten, des Bruders unsers Herrn!“ (Gal. 1, 19.)

Auch von Barmherzig wurde ihm erzählt, wie sie ihre Heimat und Freundschaft verlassen hätte, um Christin und ihre Söhne zu begleiten. Und der alte Redlich sprach zu ihr: „Barmherzig ist dein Name; Gutes und Barmherzigkeit werden dir folgen dein Leben lang, und du wirst einst den Herrn, die Quelle der Barmherzigkeit, schauen von Angesicht zu Angesicht.“

Der Führer Mutherz hatte seine herzliche Freude an diesem neuen Reisegefährten, und während sie miteinander gingen, hatten sie folgendes Gespräch: