Redlich. Nebenwege? Wer war das?

Mutherz. Ein Kind der Bosheit, ein Heuchler durch und durch; einer, der den Frommen spielte, aber sich immer so zu stellen wußte, je nachdem er gerade unter Menschen war, daß er sicher sein konnte, niemals etwas um deswillen zu verlieren oder zu leiden. Er hatte seine besondere Religion, die für jede Gelegenheit paßte. Und seine Frau stand ihm hierin in nichts nach. Im Handumdrehen ging er von einer Meinung zur andern über; ja, er rechtfertigte das auch, daß man das tun könnte. Soviel ich aber habe erfahren können, so hat es mit seinen Nebenwegen doch ein schlechtes Ende genommen. Ich habe auch niemals gehört, daß eines seiner Kinder bei den wahrhaft Gottesfürchtigen die geringste Achtung genossen hätte.

Mittlerweile waren sie nun der Stadt Eitelkeit so nahe gekommen, daß sie diese gerade vor sich liegen sahen. Die Pilger beratschlagten unter sich, wie sie am besten durch den Jahrmarkt, der hier abgehalten wird, hindurchkommen könnten. Der eine sagte dies, der andre jenes. „Diese Sorge könnt ihr euch sparen,“ fiel ihnen Mutherz in die Rede, „denn ihr wißt, daß ich schon manchen Pilger durch die Stadt geleitet habe. Zudem kenne ich einen alten Jünger mit Namen Mnason aus Zypern, in dessen Hause wir herbergen können (Apostelg. 21, 16); wenn es euch gefällt, wollen wir dort einkehren.“ Alle waren mit diesem Vorschlag einverstanden, und da die Sonne gerade unterging, beeilten sie sich, um noch vor Nacht dort einzutreffen. Bald hatten sie das Haus gefunden, und Mutherz rief an der Tür. Der alte Mann erkannte sogleich die Stimme des Führers, er kam und öffnete, und sie gingen alle hinein.

„Wie weit seid ihr heute gereist?“ fragte freundlich der Wirt.

„Vom Hause des Gajus, unsers Freundes, bis hierher,“ antworteten sie.

„Nun, dann seid ihr aber eine gute Strecke gegangen,“ erwiderte Herr Mnason, „nehmt euch Platz, denn ihr werdet wohl sehr müde sein.“ Da setzten sie sich nieder, und ihr Führer sagte: „Wie gut ist’s, daß wir diese Herberge noch erreicht haben, meine Lieben, und ich bin überzeugt, daß ihr meinem Freund willkommen seid.“

Mnason. Ja, ich heiße euch alle willkommen! Und solange ihr in meinem Hause weilt, soll es euch an nichts mangeln.

Redlich. Was ein Pilger zu gewissen Zeiten am meisten entbehrt, das ist eine Herberge und gute Gesellschaft, und nun, denke ich, haben wir beides gefunden.

Mnason. Was die Herberge betrifft, so seht ihr, wie sie ist; was aber die gute Gesellschaft anlangt, so wird’s die Probe zeigen.

Mutherz. Herr Mnason, willst du den Pilgern nun ihre Zimmer zeigen?