Dazu war der Wirt gern bereit, und er wies jedem sein Gemach an. Er führte sie auch in einen sehr schönen Speisesaal, wo sich die Pilger aufhalten konnten, bis sie zur Ruhe gingen.
„Herr Mnason, gibt es in dieser Stadt nicht auch etliche gleichgesinnte Leute, mit denen wir Gemeinschaft haben können?“ fragte der alte Redlich, nachdem sie sich hier niedergelassen hatten.
Mnason. Es hat deren einige hier, doch ist ihre Zahl verhältnismäßig klein.
Redlich. Wäre es nicht möglich, mit ihnen Fühlung zu bekommen? Der Anblick Gleichgesinnter schon allein hat etwas Erhebendes und Belebendes; ein solches Zusammentreffen auf der Pilgerschaft ist eben das, was der Aufgang von Mond und Sternen den Seefahrern ist.
Der Wirt rief nun seine Tochter Gnade herbei und sprach zu ihr: „Gnade, geh doch schnell zu meinen Freunden Herrn Bußfertig, Herrn Heilig, Herrn Frommhold, Herrn Lügenscheu und Herrn Reumütig und sage ihnen, daß ich lieben Besuch erhalten habe, der sie diesen Abend noch zu sehen wünsche.“
Gnade ging hin, sie einzuladen. Sie kamen und traten in den Saal, wo die Pilger waren. Nach der gegenseitigen Begrüßung setzten sie sich allesamt um den Tisch herum. Der Hauswirt redete sie also an: „Liebe Nachbarn, es sind, wie ihr seht, einige Gäste bei mir eingekehrt, die Pilger sind. Sie kommen von weit her und ziehen nach dem Berg Zion.“ Und mit dem Finger auf Christin weisend, fuhr er fort: „Könnt ihr euch wohl denken, wer diese ist? Es ist Christin, die Frau des bekannten Pilgers Christ, der mit seinem Freund Getreu in unsrer Stadt so schmählich behandelt worden ist.“
„Welch eine Überraschung!“ riefen die Männer aus. „Das dachten wir wahrlich nicht, daß wir Christin hier antreffen sollten.“ Sie erkundigten sich nun nach ihrem Ergehen, und als sie erfuhren, daß diese jungen Leute Christs Söhne seien, sprachen sie: „Der König, den ihr liebt und dem ihr dient, mache euch eurem Vater gleich und bringe auch euch an den Ort des Friedens!“
Der alte Redlich fragte nun Herrn Bußfertig, wie es zurzeit in der Stadt gehe.
Bußfertig. Wie man es ja nicht anders erwarten kann, haben wir eben in diesen Markttagen viel Unruhe. Es ist schwer, unter solchen Umständen Herz und Sinn zu bewahren. In solcher Umgebung, wie wir sie haben, gilt es, Stunde um Stunde seine Seele in den Händen zu tragen.
Redlich. Aber verhalten sich eure Nachbarn jetzt ruhig?