So unterhielten sie sich, bis das Abendbrot für sie bereitet war. Nach dem Essen begaben sie sich dann zur Ruhe. Die Pilger aber blieben eine geraume Zeit in Mnasons Haus, denn die Verhältnisse in dieser Stadt hatten sich, wie schon bemerkt, sehr geändert. Im Lauf der Tage gab Mnason seine Tochter Gnade dem Samuel, Christins Sohn, und seine Tochter Martha dem Joseph zur Frau. Auch mit vielen andern wohlgesinnten Leuten des Ortes wurden die Pilger bekannt und suchten sich ihnen nützlich zu machen. Barmherzig arbeitete nach ihrer Gewohnheit viel für die Armen, wofür dieselben sie segneten, und so war sie eine rechte Zierde ihres Bekenntnisses. Mit ihr wetteiferten auch die andern jungen Frauen, Gnade, Phöbe und Martha, in dieser Liebestätigkeit, jede nach ihrem Vermögen, und sie stifteten dadurch viel Gutes in dieser Zeit. Die Familie nahm zu, so daß Christs Name in der Welt erhalten wurde.

Während die Pilger noch hier weilten, kam ein Ungeheuer (Offenb. 17, 3 ff.) aus den Wäldern und brachte viele Leute aus der Stadt um. Mit Vorliebe suchte es Kinder wegzuschleppen, um sie nach seiner Weise aufzuziehen, und richtete dadurch großes Verderben an. Es war keinem Tier auf Erden zu vergleichen; sein Leib war wie der eines Drachen, es hatte sieben Häupter und zehn Hörner und ward von einem Weib regiert. Niemand in der Stadt wagte es, diesem Ungeheuer die Stirn zu bieten, sondern alle flohen, wenn sie nur das Getöse seiner Flügel hörten. Es legte den Einwohnern gewisse Bedingungen vor, und die, welche ihr Leben mehr liebten als ihre Seele, gingen darauf ein und kamen also unter seine Herrschaft.

Herr Mutherz aber machte nun mit den vier Männern, Bußfertig, Heilig, Frommhold und Reumütig, die die Pilger in Herrn Mnasons Hause besucht hatten, einen Bund, und sie beschlossen, mit ihren Waffen auszuziehen, ob sie vielleicht die Leute dieser Stadt aus den Klauen und dem Rachen dieses verheerenden Drachen erretten könnten. Das Ungeheuer sah anfangs auf die herankommenden Gegner mit großer Verachtung herab; da aber diese ihre Waffen wohl zu führen wußten, ward es bald zum Rückzug gezwungen, und sie kehrten in die Herberge zurück.

Das Untier hatte seine bestimmten Zeiten, in denen es hervorkam. Unsre tapfern Kämpfer aber paßten ihm auf und griffen es fortwährend an, so daß es nach und nach nicht nur verwundet, sondern auch lahm ward und deshalb sein Unwesen nicht mehr wie früher zu treiben vermochte. Und es wird von vielen geglaubt, daß es an seinen Wunden gewiß sterben wird.

Dadurch nun gelangten Mutherz und seine Gefährten in der Stadt zu großem Ansehen, so daß manche dort, obgleich sie andrer Denkweise waren, ihnen dennoch große Achtung und Ehrerbietung bezeugten. Und so kam es denn, daß den Pilgern hier wenig Leid zugefügt ward. Doch freilich gab es ebendaselbst auch Leute schlechterer Art, die nicht besser sehen konnten als ein Maulwurf und nicht mehr Verstand hatten als ein unvernünftiges Tier; diese zollten unsern Helden keine Ehrfurcht und achteten ihre Tapferkeit und ihre Taten gering.

Inzwischen kam die Zeit immer näher, daß unsre Pilger ihren Weg fortsetzen mußten; sie rüsteten sich daher zur Abreise. Sie schickten auch nach ihren Freunden und taten ihnen solches zu wissen, damit sie noch einmal zusammenkommen und sich gegenseitig dem Schutz ihres Herrn und Fürsten anbefehlen könnten. Es kamen auch solche, die ihnen von dem brachten, was sie besaßen und was den Schwachen und Starken, den Männern und Frauen heilsam war, und so wurden sie reichlich mit allem Nötigen versehen (Apostelg. 28, 10). Darauf machten sie sich auf den Weg, und ihre Freunde gaben ihnen, soweit es anging, das Geleit; dann noch ein letzter Händedruck und herzliche Segenswünsche, und sie schieden voneinander. Der Führer Mutherz zog den Pilgern wieder voran; da sie aber um der Frauen und Kinder willen nicht rasch gehen durften, konnten Hinkfuß und Kleinmütig ebenfalls mitkommen.

Fußnoten:

[207] In Antiochia gab man den Jüngern zum erstenmal den Namen „Christen“ (Apostelg. 11, 26).

[208] Nach Dir, Herr, verlangt mich (Ps. 25, 1).

[209] Laßt uns opfern das Lobopfer Gott allezeit, das ist die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen (Hebr. 13, 15).