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GRÖSSERES BILD
Sie ließen also die Frauen unter dem Schutz des Kleinmütig und Hinkfuß auf der Straße zurück, denn obwohl der Riese dort so nahe wohnte, so konnte doch ein kleines Kind sie richtig führen, wenn sie auf der Heerstraße blieben (Jes. 11, 6). Die Männer schritten gerade auf die Zweifelsburg zu; dort angekommen, klopften sie so stark an das Tor, daß die ganze Burg davon widerhallte. Der alte Riese kam herab und hinterdrein seine Frau, Mißtrauen, und er rief: „Wer untersteht sich, den Riesen Verzweiflung auf solche Weise zu belästigen?“
Mutherz antwortete: „Das bin ich, Mutherz, ein Diener des himmlischen Königs und Führer der Pilger. Tue mir auf das Tor und rüste dich zum Kampf, denn ich bin gekommen, deinen Kopf zu holen und die Zweifelsburg zu zerstören.“
Der Riese aber, da er sich für unüberwindlich hielt, dachte bei sich selbst: „Ich habe vorzeiten sogar mit Engeln gekämpft und bin obgelegen, sollte mir dieser Mutherz bange machen?“ Er legte also seinen Harnisch an und kam heraus. Auf seinem Haupt hatte er einen Stahlhelm, seine Brust war umgürtet mit einem feurigen Panzer, in eisernen Schuhen trat er daher, mit einer großen Keule in der Hand. Jetzt griffen ihn die sechs Männer an und bedrängten ihn von allen Seiten. Als nun auch Mißtrauen, die Riesin, herzukam, ihm beizustehen, streckte der alte Redlich sie mit einem Schlage nieder. Der Kampf war heiß und schwer, doch der Riese Verzweiflung unterlag; aber er wollte nicht gleich sterben, er sträubte sich gewaltig und hatte, wie man sagt, ein zähes Leben wie eine Katze. Mutherz jedoch ließ nicht von ihm ab, bis er sich nicht mehr regte, hernach trennte er ihm den Kopf vom Rumpf.
Nachdem nun der Riese tot war, machten sich die Männer daran, die Burg niederzureißen. Sieben Tage waren sie damit beschäftigt und fanden darin einen Pilger namens Verzagt, dem Hungertode nahe, dazu seine Tochter Furchterfüllt. Diesen beiden retteten sie das Leben. Welch ein Schreckensbild bot sich ihnen überall dar! Auf dem Burghof lagen noch allenthalben die Leichname herum, und der Kerker war mit Totengebeinen angefüllt.
Nach vollbrachter Heldentat nahmen Mutherz und seine Begleiter Herrn Verzagt und seine Tochter Furchterfüllt unter ihren Schutz, denn es waren redliche Leute. Auch des Riesen Haupt nahmen sie (denn seinen Leib hatten sie unter einem Haufen Steine begraben) und begaben sich damit auf die Heerstraße zurück zu den Ihren und zeigten ihnen, was sie ausgerichtet hatten. Darüber waren alle hocherfreut. Christin griff zu ihrer Zither, und Barmherzig schlug die Laute an; so spielten sie und waren sehr fröhlich miteinander. Jedoch dem armen Verzagt war an der Musik nicht viel gelegen, er sehnte sich nach einem Bissen Brot, denn er war beinahe ausgehungert. Darum gab ihm Christin etwas aus ihrer Flasche von dem stärkenden Getränk zur augenblicklichen Erholung. Hernach bereiteten sie ihm etwas zu essen. So kam der alte Mann in kurzer Zeit wieder zu sich und gewann neues Leben.
Weiter sah ich in meinem Traum, daß Mutherz das Haupt des Riesen Verzweiflung nahm und es auf einer Stange an der Heerstraße aufrichtete, gerade der Säule gegenüber, die Christ zur Warnung für die Pilger errichtet hatte, damit sie nicht auf des Riesen Gebiet gerieten.
Ist auch die Zweifelsburg gleich abgetragen
Und die Verzweiflung selbst aufs Haupt geschlagen,
So kann doch Sünde schnell die Burg erhöhn,