Wenn es auch langsam geht, sie folgen gerne nach.
O Hirten, dürfen wir ein wenig bei euch weilen,
Um dann mit frischer Kraft gen Zion hinzueilen?
„Das ist eine liebliche Gesellschaft,“ erwiderten die Hirten. „Ihr seid uns willkommen, denn wir sind mit allem Nötigen versehen, sowohl für die Schwachen wie für die Starken. Unser Fürst hat ein Auge auch für das, was dem Geringsten erwiesen wird[222]. Wegen seiner Schwachheit wird daher kein Pilger von uns zurückgewiesen.“
Sie führten sie also in das Haus, sprechend: „Kommt herein, Kleinmütig, Hinkefuß und Verzagt mit deiner Tochter Furchterfüllt! Diese rufen wir bei Namen,“ sagten die Hirten zu Mutherz, „weil sie sehr geneigt sind, sich hinter andre zurückzuziehen; was aber euch, die Stärkern, betrifft, so lassen wir euch nach eurer Freiheit handeln.“
Mutherz. Aus dem Leuchten eures Angesichts und daraus, daß ihr die Schwachen nicht von euch stoßt (Hes. 34, 21), sondern ihnen vielmehr den Weg mit Blumen bestreut, erkenne ich, daß ihr wahre Hirten unsers Herrn seid.
Sie traten nun alle ein, und die Hirten bereiteten ihnen ein Mahl von leicht verdaulichen, wohlschmeckenden und zugleich nahrhaften Speisen. Nach dem Essen begaben sich die Pilger zur Ruhe, ein jedes an seinen ihm zugewiesenen Ort.
Am frühen Morgen wurden sie, weil es ein heller Tag war, von den Hirten geweckt, die ihnen einige Sehenswürdigkeiten dieses Gebirges zeigen wollten. Zuerst sahen sie, was einst auch Christ sehen durfte; hierauf stiegen sie auf den Berg der Wunder und siehe, da war in einiger Entfernung ein Mann, der durch sein Wort Berge versetzte. Auf die Frage, was das bedeute, erwiderten die Hirten, das sei der Sohn eines gewissen Großgnade (siehe Seite 151); dieser sei hierher bestellt, die Pilger zu unterrichten, wie sie alle ihnen begegnenden Schwierigkeiten durch den Glauben aus dem Weg räumen könnten[223]. „Ich kenne ihn,“ sprach Mutherz, „er ist ein vortrefflicher Mann vor vielen andern.“
Von hier aus bestiegen sie den Berg der Unschuld. Da gewahrten sie einen Mann in einem blendendweißen Gewand, der von zwei andern, Vorurteil und Böswillig, beständig mit Kot beworfen wurde. Aber siehe, soviel sie auch nach ihm warfen, der Kot fiel in kurzer Zeit wieder ab, und sein Kleid sah so rein und hell aus wie vorher. „Dieser Mann heißt Gottselig,“ war die Erklärung der Hirten, „und das weiße Gewand soll die Reinheit seines Lebens andeuten. Jene, die ihn mit Kot bewerfen, sind solche Leute, die seine guten Werke hassen; gleichwie aber der Kot an seinen Kleidern nicht haften will, also soll’s auch dem ergehen, der ein reines Leben führt in dieser Welt. Ob ihrer noch so viele ihn mit Kot besudeln wollen, so ist doch alle ihre Bemühung umsonst, denn Gott wird nach kurzer Zeit schaffen, daß seine Unschuld hervorbreche wie das Licht und seine Gerechtigkeit wie der helle Mittag“ (Ps. 37, 6).
Die Pilger wurden nun auf den Berg der Liebe geführt. Dort sahen sie einen Mann, der einen Ballen Tuch vor sich liegen hatte, woraus er Kleider für die um ihn herumstehenden Armen schnitt; dennoch ward sein Ballen Tuch nicht kleiner. „Daraus sollt ihr lernen,“ sagten die Hirten, „daß, wer von dem, was er erarbeitet hat, den Armen etwas mitteilt, um deswillen niemals Mangel leiden soll (Spr. 11, 24). Wer andre erquickt, soll wieder erquickt werden. Dadurch, daß die Witwe ihr Brot mit dem Propheten teilte, war das Mehl im Kad nicht vermindert worden“ (1. Kön. 17, 8-10).