Kämpfer. Sie stellten mir vor, der Pilgerweg sei ein halsbrecherischer Weg, ja der allergefährlichste Weg, den es überhaupt auf der Welt gebe.
Mutherz. Haben sie dir gesagt, worin die Gefahren bestehen?
Kämpfer. Ja. Sie erwähnten den Sumpf der Verzagtheit, darin Christ beinahe versunken wäre. Sie sagten, wie gefährlich es sei, an der Pforte anzuklopfen, da von Beelzebubs Burg aus auf die Pilger geschossen werde. Sie erzählten mir von dem Wald und von dem finstern Gebirge (siehe Seite 63), von dem Berg der Beschwerde, von den Löwen und auch von den drei Riesen Blutdurst, Hammer und Tugendfeind. Im Tal der Demut, sagten sie, hause ein böser Geist, der Christ umbringen wollte; alsdann müsse man durch das Tal der Todesschatten gehen, wo sich Kobolde und Feldteufel aufhielten, wo das Licht Finsternis und der Weg voller Schlingen, Fallstricke, Gruben und Netze wäre. Sie berichteten von dem Riesen Verzweiflung und der Zweifelsburg und der Gefahr und dem Verderben, dem die Pilger da unterworfen wären. Dann komme man über den gefährlichen bezauberten Grund und endlich an einen Strom, über den keine Brücke führe und der gerade zwischen mir und der himmlischen Stadt hindurchfließen werde.
Mutherz. War dies alles?
Kämpfer. Nein, sie stellten mir auch vor, daß der Weg voll von Betrügern sei und solchen, die den Pilgern auflauern, um sie in die Irre zu führen.
Mutherz. Aber wie haben sie das bewiesen?
Kämpfer. Sie nannten Herrn Weltklug, der stets darauf ausgehe, jemand zu verführen; auch Werkheilig und Heuchler lägen lauernd am Weg. Nebenwege, Schwätzer und Demas würden mich durch ihre Worte hinters Licht führen und Schmeichler mich in sein Netz ziehen, oder ich würde mir einbilden, mit dem albernen Unwissend auf die Pforte zuzugehen, während ich schließlich doch bei der Höhle an der Seite des Berges anlangen und auf diesem Weg in die Hölle geraten werde.
Mutherz. Ich muß gestehen, dies alles könnte einem den Mut nehmen; aber ließen sie es dabei bewenden?
Kämpfer. Nein, höre weiter! Sie erzählten mir von vielen, die vor alters auf diesem Weg eine gute Strecke zurückgelegt hätten in der Hoffnung, etwas von der vielgepriesenen Herrlichkeit zu sehen; sie seien aber zur großen Belustigung von ganz Finsterland unverrichtetersache zurückgekehrt und hätten sich ihrer Torheit schämen müssen, um dieser Sache willen auch nur einen Fuß aus der Tür gesetzt zu haben. Sie nannten mir einige Namen, wie z. B. Störrig und Willig, Mißtrauisch, Furchtsam, Abtrünnig und den alten Atheist und andre mehr, von denen einige weit gekommen seien; aber keiner habe von dieser Reise irgendwelchen Gewinn davongetragen. Auch von einem Herrn Ängstlich war die Rede, der den Pilgerweg sehr einsam gefunden und keine fröhliche Stunde darauf verlebt habe; ein gewisser Herr Verzagt sei nahe daran gewesen zu verhungern. Ja, und was ich bald vergessen hätte, Christ selber, von dem man so viel Aufsehens gemacht, sei nach all seinen Bemühungen um eine himmlische Krone sicherlich in dem schwarzen Strom ertrunken und habe seinen Fuß nie auf das jenseitige Ufer gesetzt, was man freilich habe verbergen wollen.
Mutherz. Entfiel dir über all diesen Berichten nicht das Herz?