Das Jahr 1628, in dem Johann Bunyan geboren wurde, war ein sehr bewegtes. Während auf dem Festland katholische und protestantische Fürsten und Völker einander bekämpften, begann in England eine Bewegung der strengprotestantischen und republikanischen Partei gegen das Staatskirchentum, das noch viel Katholisches beibehalten hatte, und gegen die königliche Willkürherrschaft. Die Wellen dieser kirchlichen und politischen Stürme werden wir im folgenden auch in Bunyans Lebensschifflein schlagen sehen. Die Revolution und ihre Folgen spiegeln sich gewissermaßen in den Stürmen seines innern und äußern Lebens wider.

Johann Bunyan war der Sohn sehr armer Eltern. Sein Vater, Thomas Bunyan, war ein herumziehender Kesselflicker und Pfannenschmied, bewohnte jedoch in dem Dörfchen Elstow, unweit der Stadt Bedford im Herzen von England, eine armselige Hütte. Die Mutter hieß Margarete geb. Bentley und stammte ebenfalls aus Elstow. Von seinen Brüdern ist uns nichts Näheres aufbehalten. Eine sorgfältige Erziehung hat Johann nicht genossen; doch erkennt es der Sohn dankbar an, daß seine Eltern ihn nach Bedford zur Schule schickten, damit er lesen und schreiben lernte, um später dem Vater in seinem Handwerk behilflich zu sein. Im übrigen wuchs er auf in der Ausgelassenheit und Roheit einer zuchtlosen Jugend, wobei das in der Schule Gelernte bald vergessen wurde. In dieser Zeit scheint er nicht nur der Verführte, sondern der Rädelsführer seiner Altersgenossen in allen tollen Streichen, wie Beraubung der Obstgärten und Wilddieberei, gewesen zu sein, die ihm öffentliche Strafe zuzogen. Er selbst schildert sein damaliges Leben mit folgenden Worten: „Was mein natürliches Leben angeht, so war es in jener Zeit, da ich ohne Gott in der Welt lebte, in der Tat nach dem Lauf dieser Welt und nach dem Geist, der zu dieser Zeit sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens. Es war meine Freude, vom Teufel gefangen zu sein zu seinem Willen. Ich war voll aller Ungerechtigkeit, welche auch so kräftig wirkte, beides, in meinem Herzen und Leben, daß ich von Kind auf nur wenige meinesgleichen im Fluchen, Schwören, Lügen und Lästern des heiligen Namens Gottes hatte.“

Doch auch in dieser Zeit der größten Entfernung von Gott waren religiöse Gefühle in ihm nicht ganz erstorben, und seine Sünden bereiteten ihm je und je Gewissensbisse. Schon in seinem zehnten Lebensjahr wurde er von schreckhaften Träumen und von dem Gedanken an die Qualen der Hölle beängstigt. Diese Bilder beunruhigten ihn oft mitten in seinen Spielen und unter seinen Kameraden so sehr, daß er ganz niedergeschlagen war. Zu einer Sinnesänderung kam es indessen nicht, im Gegenteil suchte er diese Eindrücke zu betäuben und sich nur noch mehr seinen Lustbarkeiten hinzugeben. — Wie er sich in dieser Zeit zum Worte Gottes verhielt, sagt er selbst: „In diesen Tagen waren mir die Gedanken an geistliche Dinge sehr verdrießlich. Ich konnte es selbst nicht leiden noch ertragen, daß andre sie hegten. Sah ich Leute in christlichen Büchern lesen, so fühlte ich mich in ihrer Gesellschaft wie in einem Gefängnis.“

An Bewahrungen, die ihn aus seinem Schlummer hätten aufwecken sollen, ließ es Gott auch nicht fehlen. Zweimal war er dem Ertrinken nahe, das eine Mal im Ousefluß bei Bedford, das andre Mal in einer Meeresbucht. In seiner Tollkühnheit schlug er eines Tages eine Otter, die über den Weg glitt; da sie nun betäubt war, riß er ihr mit dem Stock den Rachen auf und brach ihr mit bloßer Hand die Giftzähne aus, ohne eine Verletzung davonzutragen. Diese Barmherzigkeit Gottes machte damals zwar wenig Eindruck auf ihn, weckte jedoch in ihm das Gefühl, daß er nicht völlig von Gott dahingegeben sei.

Mit ungefähr 17 Jahren ließ er sich als Soldat anwerben und diente, wie es scheint, in der Parlamentsarmee, die im Kampfe stand gegen Karl I. aus dem Geschlecht der Stuart. Bei der Belagerung von Leicester durfte er wieder offensichtlich die schützende Hand Gottes über sich erfahren. Er sollte nämlich eines Tages an einer gefahrvollen Stelle Schildwache stehen, da bat ihn ein Kamerad dringend, an seiner Statt den Posten beziehen zu dürfen, und kurz nach der Ablösung wurde dieser von einer Kugel getötet. Aber auch diese wunderbare Erhaltung seines Lebens ließ den jungen Bunyan damals noch gleichgültig und kalt.

Bald darauf trat er aus dem Heeresdienst aus und kehrte in seine Heimat zurück, ohne im geringsten sein Leben zu ändern. Vielmehr vernachlässigte er seinen Beruf und kam nach und nach in drückende Armut. Um diese Zeit, er war nun etwa 20 Jahre alt, verheiratete er sich auf den Rat seiner Freunde, welche meinten, daß diese Veränderung eine günstige Wirkung auf seinen bisherigen Lebenswandel ausüben würde. Seine Frau war ein armes Waisenmädchen, so arm, daß sie ihm an irdischem Gut nichts weiter ins Haus brachte als eine Schüssel und einen Löffel. Doch besaß sie auch noch zwei Bücher: „Des gemeinen Mannes Fußpfad zum Himmel“ und „Die Übung in der Gottseligkeit“, welche ihr gottseliger Vater ihr bei seinem Tode hinterlassen hatte. In diesen beiden Büchern pflegte er dann und wann mit ihr zu lesen und fand darin manches, was ihm wohlgefiel. Seine Frau erzählte ihm auch oft von ihrem frommen Vater und wie er das Laster sowohl in seinem Hause als unter seinen Nachbarn getadelt und andre davor gewarnt habe und wie heilig und rechtschaffen er in Worten und Werken gewesen sei.

Diese Bücher und die Ermahnungen seiner Frau wirkten doch so weit auf sein Herz, daß er sich bemühte, wenigstens die äußern Gebräuche der Religion zu beobachten. Daher ging er Sonntags zweimal in die Kirche und konnte auch ganz andächtig singen und beten, wie es die andern taten. Kaum war aber der Gottesdienst vorbei, so nahmen ihn die Spiele auf dem Rasenplatz wieder völlig in Anspruch. Unter den lustigen Gesellen war er bei Tanz und Spiel wie immer der erste.

Nachdrücklicher schlug an sein Gewissen eine Predigt über die Sonntagsfeier und Sonntagsentheiligung. Es kam ihm vor, als ob der Geistliche gerade gegen ihn gepredigt hätte. Noch nie hatte er so deutlich gefühlt, was Sündenschuld ist; er ging aus der Predigt nach Hause mit einer schweren Last auf dem Gemüt. Doch auch dieser Eindruck ging bald vorüber und wurde von seinem alten Leichtsinn verdrängt. Noch am selben Tag wurde er aus demselben aufgeschreckt, denn eine Stimme vom Himmel schien ihm zuzurufen: „Willst du deine Sünden verlassen und in den Himmel oder deine Sünden behalten und in die Hölle fahren?“ Hierüber außerordentlich erstaunt, blickte er zum Himmel empor, und es war ihm, wie er selbst berichtet, als ob der Herr Jesus sehr unwillig auf ihn herniederschaute. Aber Bunyan verschloß seine Augen dem Licht, und nachdem er zu dem Schluß gekommen war, für ihn sei die Gnadenzeit vorbei, entschloß er sich, das Glück dieser Welt und die Lust der Sünde in vollen Zügen weiter zu genießen.

So finden wir ihn denn etwa einen Monat später fluchend und schwörend an dem Fenster einer Nachbarin. Diese Frau, die selbst in einem schlechten Ruf stand, wies ihn ernstlich darüber zurecht und sagte, er fluche so fürchterlich, daß sie zittere, ihn anzuhören; er sei der gottloseste Flucher, den sie in ihrem Leben gesehen habe, und er werde noch die ganze Jugend des Dorfes verderben. — Was viele Predigten nicht vermocht hätten, das bewirkte die Strafrede dieser Frau. Tief beschämt schlug er die Augen nieder; er wünschte wieder ein kleines Kind zu werden, daß sein Vater ihn reden lehren könnte, ohne zu fluchen. Von dieser Zeit an hörte er auf zu fluchen. Bald darauf wurde er mit einem frommen Mann bekannt, der ihn auf die Heilige Schrift hinwies. Bunyan fing nun an, die Bibel zu lesen, in welcher ihn hauptsächlich das Geschichtliche anzog, während z. B. die apostolischen Briefe für sein Verständnis noch ein Buch waren mit sieben Siegeln.