Nur vorwärts bis zu Zions Tor!

Du Geist des Herrn, ich fleh’ zu Dir,

O neige Deine Kraft zu mir!

Nun sah ich in meinem Traum, daß zu beiden Seiten des Weges, auf dem Christ wandern mußte, eine Mauer sich hinzog, und diese hatte den Namen Heil[52]. Auf diesem Pfad lief Christ weiter, doch nicht ohne große Beschwerde wegen der Last, die er auf seinem Rücken hatte, bis er an eine Anhöhe kam, auf welcher ein Kreuz stand und etwas weiter unten ein Grab zu sehen war. Ich sah nun im Traum, daß gerade, als Christ zum Kreuze hinkam, die Bürde sich von seinen Schultern löste und den Berg hinabrollte, bis sie in der Öffnung des Grabes verschwand, und ich sah sie nicht mehr. Da ward es Christ wohl, und mit fröhlichem Herzen sagte er: „Er hat mir Ruhe gegeben durch Sein Leiden — und Leben durch Seinen Tod[53]!“ Er blieb eine Weile still und verwundert stehen, denn er war voller Erstaunen darüber, daß das Anschauen des Kreuzes ihn von seiner Last befreit hatte[54]. Er versank wieder und wieder in die Betrachtung des Kreuzes, und Tränen des Dankes und der Liebe flossen ihm die Wangen herab.

Als Christ zum Kreuze hinkam, löste sich die Bürde von seinen Schultern ([S. 56.]).


GRÖSSERES BILD

Als er nun so dastand, aufschauend und in Tränen zerflossen, traten zu ihm drei leuchtende Gesandte, ihn mit den Worten grüßend: „Friede sei mit dir!“ Darauf hob der erste an: „Deine Sünden sind dir vergeben!“ (Mark. 2, 5) Der zweite zog ihm seine unreinen, zerlumpten Kleider aus und zog ihm Feierkleider an[55]. Der dritte machte ein Kennzeichen an seine Stirn[56] und überreichte ihm ein Zeugnis[57] mit einem Siegel darauf[58]. Dieses Siegel sollte ihm auf seiner Reise zum Trost und an der himmlischen Pforte zur sichern Aufnahme dienen. Die Engel verließen ihn wieder. Christ hüpfte vor Freuden und zog singend seines Weges.

Komm zum Kreuz mit deinen Lasten,

Müder Pilger du!