„Woher kommt ihr, meine Herren, und wohin geht eure Reise?“
Sie antworteten: „Wir sind im Lande der Hoffart geboren und wandern um des Ruhmes willen nach dem Berg Zion.“
„Warum seid ihr nicht durch die enge Pforte, die am Anfang dieses Weges steht, hereingekommen?“ fragte Christ. „Wißt ihr nicht, daß geschrieben steht: Wer nicht zur Tür hineingeht, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder?“ (Joh. 10, 1.)
„In unserm Lande,“ erwiderten sie, „gilt der Eingang durch die Pforte für einen großen Umweg; bei uns ist es gebräuchlich, den kürzesten Weg einzuschlagen und dann über die Mauer zu steigen — so machten wir’s auch.“
Christ. „Aber fürchtet ihr euch denn nicht, den Willen des Herrn, zu dessen Stadt wir reisen, so sehr zu verletzen?“
„Damit beunruhige dich nicht,“ sagten sie mit sichtlicher Verachtung; „wir handeln nach einem guten alten Brauch unsers Landes und können es mit vielen Zeugnissen beweisen, daß man es schon länger als tausend Jahre so gehalten hat.“
„Aber,“ fragte Christ, „wird eure Gewohnheit vor dem Gesetz bestehen können?“
„Da sie ein mehr als tausendjähriges Alter für sich hat,“ erwiderten jene, „wird sie vor einem unparteiischen Richter ohne Zweifel als gesetzlich gelten. Was sollte wohl darauf ankommen, auf welche Weise man diesen Weg erreicht, wenn man ihn nur wirklich betritt. Du, soweit wir merken, bist zwar durch die Pforte gekommen und bist gleichwohl nur auf dem Weg und nicht weiter als wir auch, die wir nun von der Seite über die Mauer hergekommen sind. Inwiefern sollten wir dir in etwas nachstehen?“
„Der Unterschied zwischen uns ist bedeutend genug,“ erwiderte Christ. „Ich wandle nach der Richtschnur des Meisters, ihr nach eurem eigenen Rat. Schon jetzt geltet ihr vor dem Herrn als Diebe; wie könnt ihr am Ende des Weges als treu erfunden werden? Ihr habt von euch selber, ohne Seine Leitung, den Weg betreten, und ebenso werdet ihr durch euch selbst, ohne Seine Gnade, ihn wieder verlieren.“
Hierauf wußten sie nichts weiter zu sagen als: er möge sich um sich selbst bekümmern.